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Zur Partnerschaft mit dem Bezirk Hermagor/ Österreich

Begonnen hat es 1976 bei einer Begegnung zwischen Landrat a.D. Hermann Struckmeier und dem damaligen stellvertretenen Landeshauptmann von Kärnten, Dr. Walther Weißmann, am Wörthersee. Durch Vermittlung von Dr. Weißmann lernte Hermann Struckmeier bei einem weiteren Besuch in Österreich, diesmal in Hermagor, den Bezirkshauptmann des Bezirks Hermagor, Dr. Siegfried Trattner († 2001), kennen. Dieser zeigte sich den Plänen einer Partnerschaft gegenüber sehr aufgeschlossen. Die Partnerschaftsurkunde wurde schließlich am 17. Juli 1981 im Kreishaus in Minden unterzeichnet.
Im Mai 2006 wurde im Mühlenkreis das 25jährige Bestehen gefeiert. In diesen 25 Jahren hat sich die Partnerschaft gut entwickelt. Viele persönliche Kontakte - bis hin zu Freundschaften kamen zustande und werden auf privater Ebene gepflegt. Ein treibender Faktor dabei sind die Sport-, Kultur- und Musikvereine. Der Bezirk Hermagor ist inzwischen ein beliebtes Urlaubsziel für die Menschen des Mühlenkreises geworden.
Die Partnerschaft wird durch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Kreisverwaltung nach Kräften unterstützt und durch gemeinsame Projekte getragen.

Neuer Schwung für 30 Jahre Partnerschaft

 „Wir wollen die Menschen füreinander gewinnen,“ sagte Dr. Heinz Pansi zur Begrüßung der Delegation des Kreises Minden- Lübbecke, die anlässlich des 30. Geburtstages der gemeinsamen Partnerschaft in den Bezirk Hermagor in Kärnten gereist war. An zwei Tagen tauschten sich die Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Österreich aus. „Wir haben bestehende Kontakte intensiviert und viele neue Ideen für die Zukunft der Partnerschaft entwickelt,“ sagte Landrat Dr. Ralf Niermann. „Unsere Partnerschaft mit Hermagor ist eine großartige Gelegenheit, innerhalb von Europa ohne Sprachbarriere über den eigenen Tellerrand zu schauen. Hierfür wollen wir in Zukunft auch wieder mehr junge Menschen begeistern.“

Dass Hermagor viel zu bieten hat, davon konnte sich die Delegation bei Fachvorträgen über Wirtschaft, Tourismus und Regionalentwicklung ebenso überzeugen wie beim abwechslungsreichen Besuchsprogramm.

Skifahren, Wandern, Genießen - Hermagor ist abwechslungsreich

Jährlich über eine Million Gäste kommen nach Hermagor. Die Naturarena Kärnten zieht Touristen zu allen Jahreszeiten an. Mit dem Nassfeld gehört die Region zu den Top-Ten-Skigebieten in Österreich. Der Weissensee bietet die größte Natureisfläche Europas und der Geopark Karnische Alpen zeigt anschaulich 500 Millionen Jahre Erdgeschichte, die hier von internationalen Geologen erforscht werden. Darüber hinaus bietet der Bezirk trinkwasserreine Badeseen,1000 Kilometer Wanderwege und neun kulinarische Feste der Genussregion Gailtal vom Speckfest über Honig-, Käse- und Apfelfest zu Frigga, einer nationalen Spezialität aus Eiern, Käse und Speck - „mindestens 1000 Kalorien pro Gabel“, wie der Chef der regionalen Tourismusgesellschaft Naturarena Kärnten, Dr. Kurt Genser, in seinem Fachvortrag in Aussicht stellt.

Wirtschaftlich liegt einer der Schwerpunkte in Hermagor in der Holzwirtschaft. Um dem generellen Facharbeiter- und Lehrlingsmangel entgegen zu wirken, kooperieren Vereine in allen wirtschaftlichen Bereichen.

Selbstversorger im Bereich Energie

Im Bereich der Energiewirtschaft strebt Hermagor die Selbstversorgung an. Allein die Wasserkraft hat ein Potenzial von 300 Prozent. Jetzt sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um diese Kapazitäten zu 100 Prozent zu nutzen. In einem Vortrag über die Energieautarkie in Kötschach-Mauthen zeigte Friedrich Veider vom Regionalmanagement Kärnten den ersten Lerngarten der erneuerbaren Energie.

Das Regionalprofil des Kreises Minden-Lübbecke stellte Wirtschaftsdezernent Hartmut Heinen vor. Minden-Lübbecke hat eine exportorientierte Wirtschaft und international agierende Familienunternehmen in einem breiten Branchenmix. Auch im Kreis ist der Fachkräftemangel Thema. Mit dem Ausbau des Fachhochschul-Campus Minden und dem Verein Zukunft Ausbildung im Mühlenkreis ZAM werden hier bereits wichtige Schritte unternommen, um sich den kommenden Herausforderungen zu stellen.

Auch im Tourismus erschließt der Kreis Minden-Lübbecke in Zukunft neue Bereiche, wie z.B. über das Projekt „Mobilität mit Spaß“. Weiterhin stellte Oliver Gubela, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung und Tourismus des Kreises, die strategische Entwicklung im Kreistourismus vor, u.a. die Themenfelder „Natur und aktiv“, „Fit und vital“ sowie „Kultur und Historie“.

Erste neue Kontakte haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen den Fachvorträgen geknüpft. Hier ging es unter anderem um den Austausch von Auszubildenden, Nutzung erneuerbarer Energie und eine Internetkooperation auch mit Estland, dem zweiten Partner des Kreises, der durch den stellvertretenden Landrat von Viljandi, Tönis Korts, persönlich auf der Fahrt des Kreises vertreten war.

„Die Menschen haben einen Weitblick bekommen“ - Festveranstaltung auf Schloss Möderndorf

Alphörner und Jugendchor aus Hermagor sowie moderne Fotokunst aus Minden-Lübbecke rahmten die Festveranstaltung zum Partnerschaftsjubiläum auf Schloss Möderndorf. Bezirkshauptmann Dr. Heinz Pansi und Landrat Dr. Ralf Niermann würdigten in ihren Reden die Gründerväter und das Engagement der vielen Menschen, die aus beiden Ländern in den vergangenen 30 Jahren die Partnerschaft mit Leben gefüllt haben. Auch der bis vor kurzem amtierende Bürgermeister von Hermagor, Vinzenz Rauscher, hob die „Begegnungen von Herz zu Herz“ hervor. Er hat die Partnerschaft selbst von Anfang an begleitet. „Die Menschen haben einen Weitblick bekommen,“ sagte Rauscher und wünschte den Beteiligten für die Zukunft, „dass wir uns immer wieder mit Freude begegnen.“

Musik und Speck und Spargel

Von der Theorie eines der Fachvorträge zum praktischen Erleben: Vor 19 Jahren wurde das Gailtaler Speckfest als Teil des Tourismus-Konzeptes ins Leben gerufen. Dass dieses Konzept seine volle Wirkung entfaltet hat, davon konnte sich die Kreis-Delegation durch persönliche Anschauung überzeugen bei der Eröffnung des Festes in Hermagor. Hier zeigte sich die „Genussregion Gailtal“ von ihrer besten Seite. Und auch hier wird die Partnerschaft gelebt: Speck und Spargel vom Spargelhof Winkelmann - den Friedrich Winkelmann persönlich mit der Delegation nach Hermagor brachte - bewiesen eindeutig, dass Ostwestfalen und Kärnten auch auf dem Teller harmonieren.

Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Hille-Holzhausen sorgte auf dem Festplatz für Stimmung. Die Mischung aus traditionellen Stücken, ABBA, „Highway to Hell“ und „Smoke on the Water“ erntete auch Anerkennung von Bezirkshauptmann Dr. Pansi, der gerne einräumte, dass die benachbarten Freunde auf dem typisch österreichischen Gebiet der Blasmusik einiges zu bieten hatten.

Große Anerkennung gab es dafür seitens der deutschen Delegation für das Geopark-Zentrum Karnische Alpen, das ebenso wie ein Spaziergang am Pressegger See zum Rahmenprogramm gehörte. Das Geozentrum zeigt 500 Millionen Jahre Erdgeschichte. So wurden in früheren Gesteinsschichten Abdrücke von Muscheln und Meeresbewohnern gefunden - die Alpen waren früher Küste oder sogar Meeresboden, das rote Gestein späterer Schichten weist dagegen auf Wüstenboden hin.

Nach zwei abwechslungsreichen Tagen verabschiedeten sich die österreichischen Gastgeber sehr herzlich mit der Aussicht auf baldige neue Projekte. „Ein rundum gelungenes Jubiläum,“ sagte Landrat Dr. Ralf Niermann. Noch während des Abschiedsabends machten er und Dr. Pansi weitere Pläne für die Zukunft: Ein Schüleraustausch soll über die bereits bestehenden Kontakte im Sport und in der Musik hinaus für alle Schülerinnen und Schüler einer Schule des Kreises und des Bezirks Hermagor ins Leben gerufen werden.

In den letzten Jahren wurden in der Partnerschaft neue Schwerpunkte gesetzt. Wir haben die Herausforderung angenommen, die Regionen im europäischen Kontext stark zu positionieren. Dieses Ziel haben wir auf verschiedenen Ebenen schon umgesetzt. Geschafft haben wir diese profilierte Präsentation beider Regionen durch die intensive Zusammenarbeit in zukunftsweisenden Projekten (EU-Projekt Leader+). Diese Projekte widmen sich dem Bereich Tourismus, dem Austausch auf kultureller Ebene und auch der gemeinsamen Bewältigung von Herausforderungen, die sich besonders Regionen des ländlichen Raumes stellen.

Als ein weiteres Beispiel sei die Zusammenarbeit des Bezirkes Hermagor, des Kreises Viljandi (Estland) und des Kreises Minden-Lübbecke im Rahmen des EU-Projektes "PHARE" genannt. Hier geht es um die Förderung des Lebens auf dem Lande (z.B. Beleben von alten Traditionen und Handwerken, Einrichtung von Heimatmuseen etc.) in Zusammenarbeit mehrerer Partner.

Hermagor & Kreis Minden-Lübbecke 35 Jahre Partnerschaft

Eine siebenköpfige Delegation aus der Region Hermagor (Österreich) war vom 12. bis 14. Mai 2016 zu Gast im Mühlenkreis. Der Anlass war das 35-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen dem österreichischen Bezirk Hermagor und dem Kreis Minden-Lübbecke.

Die Partnerschaft basiert auf der Zusammenarbeit und Austausch auf verschiedenen Handlungs- und Verwaltungsebenen. Gemeinsame Projekte im Bereich Sport und Entwicklung ländlicher Räume gehören dazu. EU-Projekte im Tourismus und Austausch auf der kulturellen Ebene, aber auch persönliche Kontakte und Freundschaften zwischen den beiden Kreisen sind in den letzten Jahren entstanden. So waren beispielsweise in diversen Jahren immer wieder Künstler aus Hermagor beim LandArt Festival im Kreis Minden-Lübbecke vertreten. Es gibt viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Politik und Verwaltung. Neue Ideen und Möglichkeiten der Vernetzung bei gleichen Themen sind gefragt.

Der Gastgeber, Landrat Dr. Ralf Niermann, betont: Eine Partnerschaft muss für beide Seiten interessant und ergebnisorientiert sein. Ein Ziel ist es, Jugendliche beider Regionen mehr zusammenzubringen und die Partnerschaft weiterzuentwickeln. Voneinander lernen und sich öffnen für neue Wege und Ideen, ist unser Anliegen.“

Der Bezirkshauptmann Dr. Heinz Pansi reiste mit weiteren sechs Personen aus dem Bezirk Hermagor zum 35-jährigen Jubiläum an. Das Arbeitsthema des Treffens, neben dem Jubiläum, war der Klimaschutz, die Studiengänge am Campus Minden, Flüchtlings- und Asylpolitik und der Breitbandausbau im Mühlenkreis.

Zum Einstieg wurde über die Themen erneuerbare Energien, den Klimaschutz und Klimabündnis im Mühlenkreis berichtet. Im Anschluss wurden die Studiengänge am Campus Minden und Gebäudetechnologien als Forschungsschwerpunkt und Bezüge in der Region vorgestellt. Des Weiteren war der Austausch mit dem Amt pro Arbeit und dem Kommunalen Integrationszentrum über Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern von großem Interesse. Zum Abschluss war auch schnelles Internet und Breitbandausbau in Hermagor und die Planungen dazu im Kreis Minden-Lübbecke Thema. Besichtigung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals und Informationsgespräche über den aktuellen Entwicklungsstand rundeten neben der Festveranstaltung am Abend zum 35-jährigen Bestehen der Partnerschaft den Jubiläumsbesuch und den informativen Tag ab.

Foto: Gäste aus Hermagor mit Landrat Dr. Ralf Niermann und weiteren Vertretern aus der Kreisverwaltung und dem Kreistag

Foto: Domingos Rodrigues/Schloss Petershagen