Kreis Minden-Luebbecke

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Wer bin ich wirklich? Diversity-Woche in Rahden | 20.10.2017

Wer bin ich wirklich? Diversity-Woche in Rahden

Beim Sofagespräch mit Autorin Que Du Luu gingen Rahdener Jugendliche auf Identitätssuche zwischen den Kulturen / Diversity-Woche in Rahden kam gut an

 

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Anja Schubert

Jugendliche für eine Lesung begeistern? Freiwillig? Außerhalb der Schulzeit? Ist so etwas möglich? - Rahdens Stadtjugendförderin Vanessa Hermeling wagte den Versuch – mit Erfolg und einem Thema, das eigentlich heutzutage jeden angeht: Die Vielfalt der Gesellschaft, in der wir leben.

Für die Veranstaltung im Rahmen der „Diversity“-Wochen des Kreises Minden-Lübbecke konnten Vanessa Hermeling und Gleichstellungsbeauftragte Heike Krüger keine geringere gewinnen als die für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Que Du Luu. Die 1973 in Vietnam geborene Autorin chinesischer Abstammung flüchtete nach Ende des Vietnamkriegs wie Millionen andere Boatpeople über das Meer und fand in Herford, wo ihre Eltern ein China-Restaurant eröffneten, eine neue Heimat. Als lockeres „Sofagespräch“ bot die Veranstaltung einen ansprechenden Mix aus autobiografisch geprägten Buchauszügen und lockerer Diskussionsrunde.

„Viele aus meinem Familien- und Freundeskreis hielten mich für verrückt, als ich nach dem Studium Schriftstellerin werden wollte“, berichtete Que Du Luu den Zuhörern und gab den jungen Leuten vor allem eines mit auf den Weg: „Glaubt an Euch und Eure Träume, lasst nichts unversucht, sie zu verwirklichen, auch wenn ihr damit aus der großen Masse herausschwimmt.“

Durch Protagonistin Mini und das China-Restaurant ihrer Eltern in Deutschland zeichnet der Jugendroman „Im Jahr des Affen“ mit autobiografischen Zügen sanft und zugleich berührend das Aufwachsen zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kulturen, das Aufeinandertreffen von Tradition und Gegenwart nach. Keine leichte Aufgabe für eine 16-Jährige sich in diesem Spannungsfeld selbst zu finden.

„Wer von Euch war nicht selbst schon einmal irgendwo neu und fühlte sich fremd?“ fragte Que Du Luu in die Runde. Einige junge Zuhörer türkischer Abstammung erläuterten sehr anschaulich das Problem, zwischen zwei Stühlen zu sitzen:

„In Deutschland bist du Türke, auch wenn du einen deutschen Pass hast. In der Türkei bist du Deutscher, weil du in Deutschland lebst.“ Ein Gefühl, dass Que Du Luu sehr gut nachvollziehen konnte. Denn seit ihrem ersten Besuch in Vietnam vor eineinhalb Jahren beschäftige auch sie die Frage nach dem, was Heimat ist, neu.

„Nie möchten wir der Mensch sein, der wir sind. Der Wunsch anders zu sein, ist bei jedem Jugendlichen da, nicht nur bei Migranten“, machte die Autorin aufmerksam. „Doch wir sind auch in hohem Maße ein Produkt dieser Gesellschaft. Wenn die Deutschen mich damals nicht wie eine Deutsche behandelt hätten, hätte ich mich nicht gleich wie eine Deutsche gefühlt.“ In der immer multikultureller werdenden Gesellschaft spiele die Herkunft immer weniger eine Rolle, berichtete Que Du Luu aus eigener Erfahrung. „Man weiß nicht was man ist, sondern eher was man nicht ist“, erläuterte sie den Prozess der Selbstfindung im Teenager-Alter mittels Ausschlusskriterien. „Mir ist es nicht wichtig, ob ich Syrer, Deutscher oder Türke bin. Mir ist es wichtig Mensch zu sein“, zogen die älteren Jugendlichen mit Migrationshintergrund - viel Zustimmung findend - ihre Bilanz des diskussionsreichen Nachmittages. Auch die übrigen Aktionstage – vom internationalen Kochen, der Fragestellung, wieviel „Multi-kulti“ heut zu Tage allein durch die Konsumgesellschaft in jedem Einzelnen steckt, bis hin zu einer die Rahdener Vielfalt erlebbar machenden Übernachtungsaktion im Schulzentrum - kamen bei den Heranwachsenden gut an.

Foto: Anja Schubert/Kreis Minden-Lübbecke

Lesung einmal anders: Stadtjugendförderin Vanessa Hermeling (4.v.l.), Anerkennungspraktikantin Rebekka Schillack (r.) und Gleichstellungsbeauftragte Heike Krüger (2.v.r.) freuten sich mit den Kindern Lavtim (v.l.), Hanna und Valmir im Rahmen der Rahdener „Diversity“-Woche Autorin Que Du Luu als Diskussionspartnerin beim „Sofagespräch“ begrüßen zu können.