Seiteninhalt
12.12.2017

Brückenbauen für Toleranz und Vielfalt

In der Jugendarbeit Aktive absolvierten dreitägigen Workshop der Kreisjugendförderung zum Abbau diskriminierender Vorurteile

Von: Anja Schubert

Espelkamp/Kreis Minden-Lübbecke. „Die Musik klingt ja voll schwul!“ „Typisch Heimkind“, „Flüchtlinge nehmen uns nur die Arbeit weg“ – Abfällige Bemerkungen und diskriminierende Vorurteile tun manchmal ganz schön weh. Doch was tun, wenn man sich selbst davon angegriffen oder betroffen fühlt oder anderen, die es trifft, ganz einfach nur beistehen möchte? „Wie kann ich reagieren, um solche Konfrontationen zu unterbrechen und in eine ruhige Gesprächsbasis zu verwandeln, die Einstellungen konstruktiv und kreativ verändern?“

Fragen, auf die der Workshop „Diskriminierende Vorurteile abbauen“ am Wochenende eine Antwort gab. Die Jugendförderung des Kreises Minden-Lübbecke hatte im Rahmen der „Diversity“-Wochen, mit denen für die Vielfalt und Verschiedenheit von Menschen als Chance für die Gesellschaft geworben werden soll, zu diesem dreitägigen Workshop mit Trainern des schweizerischen „National Coalition Building Institutes“ (NCBI) eingeladen.

„Niemand kommt mit Vorurteilen auf die Welt, man erwirbt sie sich“, so der Grundgedanke der Intensivausbildung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, Konzepte zum Brückenbauen zu vermitteln. Unter dem Motto „Train the Trainers“ machten sich die 18 Fachkräfte der Jugendarbeit an den ersten beiden Tagen des Workshops auf Schloss Benkhausen mit dem Konzept vertraut, bevor es am dritten Tag im Espelkamper Jugendtreff „ISY7“ mit an der Thematik interessierten Jugendlichen an die praktische Anwendung des Gelernten ging.

Der Workshop zeigte wie durch Diskriminierung erzeugte emotionelle Verletzungen, Fehlinformationen und Ohnmachtsgefühle überwunden werden können. Durch eigenes Erleben wurden das Einordnen von Diskriminierungen und damit verbundenen Emotionen sowie die Förderung von Empathie mit Betroffenen eingeübt. Die Teilnehmer lernten zudem verschiedene Fertigkeiten kennen, durch Vorurteile geprägte Haltungen abzubauen und feindselige Bemerkungen und Verhaltensweisen zu unterbrechen. „Denn schließlich wollen wir in der Jugendarbeit selbiges bewirken“, so Frank Engelhardt von der Jugendförderung der Stadt Espelkamp, der die Veranstaltung mitorganisierte. In Gruppengesprächen, Partnerarbeit und Rollenspielen ging es daher oft um sehr persönliche Erfahrungen. Mit alltäglichen Angriffspunkten wie Nationalität, Religion, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung und Schichtzugehörigkeit wurden entsprechende Interventionsmöglichkeiten erarbeitet, die Chancen zum Handeln schaffen und das Selbstwertgefühl von Diskriminierten stärken.

„Der Workshop hatte einen sehr hohen selbstreflexiven Charakter. Man musste viel von seiner eigenen Persönlichkeit einbringen“, resümierte Ilka Gerhold von der Kreisjugendförderung. „Wir wollen uns in die Jugendlichen einfühlen und auch an der eigenen Person erfahren und erleben, wie es ihnen bei der Auseinandersetzung mit dieser Problematik geht. Der Ansatz eignet sich für so viele verschiedene Bereiche, in denen Diskriminierungen vorkommen können. Es gibt keine Person, der Diskriminierungen nicht irgendwann selbst begegnet sind. Daher ist dieses Thema auch so universell.“

Auch am letzten Tag, als mit der Teilnahme interessierter Jugendlicher aus Rahden und Espelkamp praktische Handlungssituationen geschaffen wurden, gab es für die in der Jugendarbeit engagierten Workshopteilnehmer*innen ein Mentoring mit den Schweizer Trainern.

Neben Heranwachsenden, die sich schlichtend und helfend in solche Konfliktsituationen einbringen möchten, waren auch Jugendliche dabei, die sich aufgrund ihrer Herkunft häufig Diskriminierungen ausgesetzt sehen. „Eine spannende, bunte Mischung, mit der sich die Vielfalt an Vorurteilen und der Brückenschlag gut erarbeiten ließ“, freute sich Engelhardt zum Abschluss.

 

Foto: 18 Fachkräfte der Jugendarbeit nahmen an dem dreitägigen Workshop „Diskriminierende Vorurteile abbauen“ teil, um Jugendliche zum Brückenbauen anleiten zu können. Foto: Anja Schubert/Kreis Minden-Lübbecke