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28.06.2018

»Machen ist wie Wollen, nur krasser« - Auftakt Klimaschutzkonzept

Acht Partner – ein Konzept: Der Kreis Minden-Lübbecke arbeitet gemeinsam mit sieben seiner Städte und Gemeinden – Espelkamp, Lübbecke, Rahden, Petershagen, Hille, Hüllhorst und Stemwede – an einem gemeinsamen Klimaschutzkonzept. Die größeren Städte Minden, Bad Oeynhausen und Porta Westfalica, die bereits ein eigenes Klimaschutzkonzept erarbeitet haben, sind ebenfalls in den Prozess eingebunden. Jetzt kamen rund 50 Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Kommunen, Kreistagsmitglieder und Bürgerinnen und Bürger zur Auftaktveranstaltung  „Gemeinsam für den Klimaschutz“ ins Bürgerhaus Espelkamp zusammen, um sich über das Konzept zu informieren und zu diskutieren.

„Beim Thema Klimaschutz denken viele Menschen zuerst an globale Absichtserklärungen, internationale Abkommen und langfristig gesetzte Ziele. Aber auch wir hier vor Ort sollten einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Landrat Dr. Ralf Niermann zu Beginn der Veranstaltung. Klimaschutzmanager des Kreis Minden-Lübbecke, Dr. Frederik Wegener informierte die Zuhörer im Anschluss über die Hintergründe und Ursachen des Klimawandels und die daraus resultierenden Folgen. Die Auswirkungen des Klimawandels seien bereits jetzt deutlich spürbar, so Wegener. Das integrierte Klimaschutzkonzept enthalte daher auch Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung. „Machen ist wie Wollen, nur krasser“, lautete Wegeners abschließendes Statement.

Mario Lichy, Energieberater der Verbraucherzentrale NRW, gab in seinem Vortrag „Energieeinsparen leicht gemacht“ Tipps und Beispiele für den Klimaschutz im Alltag. Angefangen beim Wasser- und Energieverbrauch beim Duschen und Baden, über Tipps zur Heizungsregulierung bis hin zur Energieberatung für Eigenheimbesitzer, wurde ein breites Spektrum an Vorschlägen dargestellt.

„Bürgerenergie“ war Thema des Vortrags von Lars Ole Daub, EnergieAgentur NRW. Er zeigte die vielfältigen Möglichkeiten der Beteiligung auf, die sich den Bürgerinnen und Bürgern bieten. Die Tatsache, dass ca. 40 Prozent der erneuerbaren Energie in Anlagen mit Bürgerbeteiligung produziert werden, spräche hier für sich. Wie Klimaschutz in der Praxis aussieht, schilderte anschließend Wolfram Schlingmann von der Stadt Bad Oeynhausen. In seinem Vortrag „Ein Klimaschutzkonzept in der Praxis“, berichtete er von den Erfahrungen der Stadt Bad Oeynhausen mit der Erstellung und Umsetzung des dortigen Klimaschutzkonzeptes. Bad Oeynhausen, Minden und Porta Westfalica, bringen sich im Rahmen der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzeptes für den Kreis und die beteiligten sieben Kommunen mit ihren Erfahrungen in den Bearbeitungsprozess ein. Durch dieses Engagement ist gewährleistet, dass dort bereits vorhandene Entwicklungen und Planungen mit berücksichtigt werden können.

Zum Abschluss stellte der Partner des Kreises,  die ARCADIS Germany GmbH, den aktuellen Bearbeitungsstand des integrierten Klimaschutzkonzeptes vor. Die Gäste hatten hierbei die Möglichkeit, sich mit Anregungen und Ideen einzubringen, Fragen zu stellen und sich weitergehend zu informieren. Die Themen aus den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Mobilität, Vernetzung und Kommunikation, Bildung sowie Klimafolgenanpassung wurden mit neuen Ideen ergänzt. Besonders im Bereich Mobilität gab es Anregungen der Bürger in Bezug auf eine Ausweitung der innerörtlichen Radwege und des Radschnellweges oder der weiteren Stärkung der E-Mobilität. Im Bereich Klimafolgenanpassung sprachen sich die Beteiligten für eine Beratung zur Anpassung der eigenen Häuser an die Folgen des Klimawandels aus.

Wie einfach und pragmatisch Klimaschutz und Nachhaltigkeit umgesetzt werden können, zeigte sich auch bei der Tombola: Neben drei Monatstickets für den ÖPNV, fünf Energieberatungen und fünf Biogemüsekisten, wurde als Hauptpreis für eine Woche ein E-Auto für die Hauptgewinnerin bereitgestellt.

Hintergrund

Das gemeinsame integrierte Klimaschutzkonzept wird vom Kreis, den Städten Espelkamp, Lübbecke, Rahden und Petershagen sowie mit den Gemeinden Hille, Hüllhorst und Stemwede erarbeitet. Es soll konkret fünf Ziele verfolgen: messbare Klimaschutz-Etappenziele formulieren, an bisherige Maßnahmen anknüpfen, die Umsetzung neu entwickelter Maßnahmen vorbereiten, für das Thema Klimaschutz sensibilisieren und weitere Unterstützer im Kreis gewinnen. Auch die Folgen des Klimawandels im Kreis Minden-Lübbecke wie Starkregen oder Hochwasser sollen in das Konzept einfließen. Die größeren Städte Minden, Bad Oeynhausen und Porta Westfalica haben bereits eigene integrierte Klimaschutzkonzepte. Sie werden in die jetzigen Arbeiten mit einbezogen und haben ihre Unterstützung zugesagt.

Das Projekt wird zu 65 Prozent mit Bundesmitteln aus der nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Ziel ist es, einen Überblick über die bereits laufenden Klimaschutzmaßnahmen zu geben, Ziele zu formulieren und einen konkreten Maßnahmenkatalog zu erstellen für weitere Schritte in den Städten und Gemeinden. Ein integriertes Klimaschutzkonzept erleichtert den Zugang zu zahlreichen Fördermöglichkeiten. So wird es zum Beispiel möglich sein, ohnehin anstehende kommunale Aufgaben wie Gebäudesanierung gleichzeitig klimafreundlich zu gestalten und entsprechende Förderungen zu nutzen. Der gesamte Prozess wird von Workshops begleitet, an denen auch Stadtwerke, Klimaschutzinitiativen, die Verbraucherzentrale Minden, die Fachhochschule Bielefeld/Campus Minden und weitere Beteiligte teilnehmen. Der Kreis stellt sich hier wie auch in Zukunft für die Koordinierung zur Verfügung, um die Zusammenarbeit weiter voranzubringen.

Fotos:

Auftaktveranstaltung im Bürgerhaus Espelkamp – Klimaschutzmanager Dr. Frederik Wegener bei seiner Präsentation.

Fotos: Sascha Kühnemann / Kreis Minden-Lübbecke