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31.07.2018

Berufsgruppe gegen sexuellen Missbrauch feiert 30-jähriges Bestehen im Kreis Minden-Lübbecke

„Niemand muss sich mehr schämen“

Auf 30 Jahre engagierte Arbeit kann die  „Berufsgruppe gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen“ im Kreis Minden-Lübbecke inzwischen zurückblicken. Im Ständersaal des Preußenmuseums in Minden ließ die Berufsgruppe gemeinsam mit den rund 100 geladenen Gästen die vergangenen 30 Jahre Revue passieren.

Landrat Dr. Ralf Niermann gratulierte der Berufsgruppe und dankte ihr in seiner Rede dafür, dass sie sich dieser schwierigen und verantwortungsvollen Aufgabe angenommen hat. „Die Arbeit mit missbrauchten Kindern und ihren Angehörigen erfordert hohe Fachlichkeit und Empathie. Dabei die Kinder und Jugendlichen als Betroffene im Blick zu behalten und ihre Interessen zu vertreten, ist eine wichtige, aber schwierige und oft kraftzehrende Aufgabe.“ Als die damalige Gleichstellungsbeauftragte Gisela Schlüter-Preuß die Gruppe 1988 ins Leben rief, war vor allem Petra Hartmann engagiert dabei. Seit 1996 ist sie Koordinatorin und Geschäftsführerin der Berufsgruppe. Für sie steht fest: „Wir werden uns auch in Zukunft gegen sexualisierte Gewalt in jeglicher Form stark machen.“

Was in den Vorträgen und in der anschließenden Diskussion deutlich wurde, ist der starke Bedeutungszuwachs der Berufsgruppenarbeit. In der Anfangszeit der Berufsgruppe mussten seine vielen Aktiven die Treffen noch heimlich besuchen. Sexualisierte Gewalt sei in dieser Zeit noch ein Tabu-Thema gewesen, erinnert sich Hartmann zurück. Heute ist das sensible Thema im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen. „Jetzt muss sich niemand mehr schämen und verstecken, auch Betroffene nicht“, sagt Hartmann.

Das Rahmenprogramm gestalteten die beiden Gründerinnen des „MuT-Zentrums“ in Kandern, Sexualpädagogin Sonja Blattmann und Theaterpädagogin und Musikerin Karin Derks. Sie präsentierten mit Liedern und Rollenspielen das persönlichkeitsfestigende Programm für Grundschulkinder mit dem Titel „Die Maus, das Monster und ich“. Kinder und Jugendliche stärken – das gehört zu den wichtigsten Zielen der Berufsgruppenarbeit. Niermann bekräftigte den wichtigen Stellenwert der Präventionsarbeit der Berufsgruppe: „Es ist wichtig, dass Kinder möglichst früh in die Lage versetzt werden, selbst zu erkennen, wann ihre Grenzen missachtet und überschritten werden. Dazu müssen sie gut informiert und aufgeklärt sein.“ Das, so Niermann, könne nur durch gute Präventionsprogramme für Kinder im Vor- und Grundschulalter gelingen.

In fast allen sozialen Institutionen des Kreises ist inzwischen viel Fachpersonal mit diesem Thema betraut. Besonders Vereine wie „Wildwasser Minden e.V.“ oder „mannigfaltig Minden-Lübbecke e.V.“ bieten seit vielen Jahren professionelle Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige an.  

Im Jahr 2008 ist durch die Initiative der „Stiftung Kunst und Kultur“ der Sparkasse Minden-Lübbecke das „Netzwerk sexualisierte Gewalt“ entstanden. Dieses Netzwerk hat es möglich gemacht, dass bis jetzt mehr als 22.000 Schülerinnen und Schüler die Theaterstücke „Mein Körper gehört mir“ und „Ich werde es sagen“ sehen konnten. Eingebunden sind in diesem Netzwerk neben der Stiftung die „theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück“, die Vereine „Wildwasser Minden“ und „mannigfaltig Minden-Lübbecke“, das Kommissariat Vorbeugung der Polizei sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Grundschulen im Kreis Minden-Lübbecke.

Foto: Fabian Link /Kreis Minden-Lübbecke

Foto (v.l.n.r.): Freuen sich über 30 Jahre erfolgreiche Berufsgruppenarbeit: Marion Eckhoff (Elsa-Brandström-Jugendhilfe, Mitkoordinatorin), Petra Hartmann (Koordinatorin und Geschäftsführerin), Landrat Dr. Ralf Niermann, Sonja Blattmann, Karin Derks, Michael Drogand-Strud (mannigfaltig Minden-Lübbecke) und Astrid Krämer (Wildwasser Minden, Mitkoordinatorin).