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02.03.2022

Kurz nachgefragt - Bildung entdecken


Julia Lambert - Bildungsreferentin im BNE-Bildungsteam des NABU-Besucherzentrum Moorhus im Interview mit dem Bildungsbüro


Sie sind studierte Umweltwissenschaftlerin – was fasziniert Sie besonders an dieser Thematik?

Besonders spannend fand ich am Studium der Umweltwissenschaften die fächerübergreifende Bandbreite. Zu den Inhalten gehörten neben den Naturwissenschaften Biologie, Chemie und Physik auch Umweltrecht. Als Umweltwissenschaftlerin muss man mit vernetztem Wissen quasi alles im Blick haben und mit Widersprüchen und Dilemmata klar kommen.

Ursprünglich habe ich dieses Studienfach mit dem Ziel belegt, privates Engagement beruflich fortzusetzen. Inzwischen bin ich aber nicht im „praktischen“ Umweltschutz gelandet, sondern im Bereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE). Denn was mich meine eigenen Kinder gelehrt haben ist, dass eine nachhaltige Entwicklung schon in der Kita, aber spätestens in der Schule thematisiert werden sollte, damit junge Menschen lernen verantwortungsvoll mit unserem Planeten umgehen zu können.

Wenn Sie einen Dokumentationsfilm über Natur und Umwelt bei uns im Kreis Minden-Lübbecke drehen würden, was dürfte auf keinen Fall fehlen?

Natürlich das Große Torfmoor! Schließlich ist es das größte seiner Art in NRW und ein ganz spezieller Lebensraum seltener Pflanzen und Tiere. Hier lebt zum Beispiel der Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze. Vielleicht bekäme ihn ein Kamerateam vor die Linse, während der Sonnentau ein Insekt vertilgt.

Was vielen nicht bewusst ist: Moore spielen eine große Rolle im Klimaschutz. Seit Jahrtausenden wird hier Kohlenstoff gespeichert, der bei der Trockenlegung und beim Torfabbau freigesetzt wird. Um sich die Dimensionen vorstellen zu können: Moore bedecken nur circa drei Prozent der Landflächen, speichern aber etwa dreißig Prozent des Kohlenstoffs. Das ist schon eine gewaltige Leistung.

Seit 2017 ist das Moorhus auch ein BNE- Regionalzentrum (Bildung für nachhaltige Entwicklung).  Die Angebote reichen von Wasserdetektiven über die Schokoreise bis zum Tatort Regenwald. Auf welches Angebot können wir uns im Jahr 2022 freuen?

Auch in diesem Jahr sind einige Projektwochen und -tage an verschiedenen Schulen im Kreis geplant. Unser BNE-Angebot wird gerne von Lehrkräften in Anspruch genommen, um den Schülerinnen und Schülern Nachhaltigkeitsthemen handlungsorientiert näher zu bringen. Zum Beispiel plant die Grundschule Gehlenbeck mit ihren vierten Klassen eine Unterrichtsreihe zu den Themen nachhaltiger Konsum und Ernährung.

Aber auch immer mehr Kitas möchten solche zukunftsrelevanten Themen in ihren Alltag integrieren und holen uns dazu. Da behandeln wir mit Vorschulkindern dann altersgerecht Themen wie Artenvielfalt, Wasser und Ressourcenschutz.

Für Lehrkräfte und Erzieher*innen bieten wir mehrmals im Jahr Fortbildungen zu BNE-Themen an. Am 1. April stehen im BNE-Modul „Biologische Vielfalt“ Wölfe und Wildbienen im Fokus und neben Hintergrundwissen werden zahlreiche Methoden und Materialien vorgestellt.

Private Besucherinnen und Besucher können bei uns aber auch Veranstaltungen unter spannenden Nachhaltigkeitsthemen besuchen. Kinder zum Beispiel eine „Abenteuer-Moor-Rallye“ am 13. April oder die „Forscher im Moorgarten“ am 9. Juni. Da lohnt sich ein Blick in unser Halbjahresprogramm.

Für alle, die neugierig geworden sind und sich mehr für Natur, Umwelt und Klimaschutz einsetzen möchten – haben Sie drei einfache Tipps für uns?

Ja klar! Wer anfangen möchte persönlich etwas zum Umweltschutz beizutragen, kann gerade bei der Ernährung, der Mobilität und beim Shoppen bereits mit Kleinigkeiten einiges bewirken.

Weniger tierische Produkte auf dem Teller, Bio-Qualität, Regionalität und Saisonalität können nicht nur der eigenen Gesundheit zuträglich sein, sondern auch dem Klima.

Urlaub an der Nordsee statt (mit dem Flugzeug oder Auto) in die Ferne schweifen und öfter mal das Fahrrad nehmen hilft dem eigenen Geldbeutel und kann Treibhausgase reduzieren.

Und beim Shoppen ist weniger - aber dafür langlebig - mehr. Qualitativ hochwertige Kleidung mit seriösen Siegeln ist zwar teurer, schont aber die Umwelt und trägt zu besseren Arbeitsbedingungen in der Produktion bei. Beim Einkauf sollte man sich immer fragen: Brauche ich das wirklich?

Einen vierten Tipp muss ich leider doch noch los werden: Wer einen Garten oder Balkon hat, kann durch torffreie Blumenerde Moore und gleichzeitig das Klima schützen. Und wenn darin dann bienenfreundliche Blumen gepflanzt werden, hilft das auch noch der Artenvielfalt.


Umweltwissenschaftlerin Julia Lambert, Bildungsteam des NABU-Besucherzentrum Moorhus

https://www.moorhus.eu/

https://www.moorhus.eu/veranstaltungen/

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(Das Interview führte Karin Detert, Bildungsbüro)

Quelle Bild 1: pixabay.com
Quelle Bild 2: Julia Lambert