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04.06.2021

Kurz nachgefragt - Bildung entdecken

Birgit Thinnes von der Kreispolizeibehörde (Prävention und Opferschutz) im Interview mit dem Bildungsbüro

 

  
   

   

  
1. Wenn im Krimi das Handy der Kriminalhauptkommissarinnen klingelt, heißt es häufig „Wir haben eine Leiche.“ - wenn Ihr Telefon klingelt, dann…?

...heißt es häufig: „Ich weiß nicht, ob ich bei Ihnen richtig bin, aber vielleicht können Sie mir helfen…“

Auf Nachfrage schildern Bürger*innen, was ihnen passiert ist und fragen nach, ob sie eine Strafanzeige erstatten sollen oder ob ich Tipps für sie habe, wie sie aus einer Notlage heraus kommen.

2. Das Aufgabenfeld „Prävention und Opferschutz“ der Polizei ist wirklich breit gefächert. Was fasziniert Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Das Schöne an meiner Arbeit sind die Vielseitigkeit und die Möglichkeit zur Kreativität. Gerade im Bereich des Opferschutzes erfahre ich, wie dankbar die Menschen sind, wenn ihnen jemand von der Polizei zuhört und man gemeinsam überlegt, welche Mittel und Maßnahmen es gibt, dass es den Betroffenen wieder bessergeht. Ich arbeite schon seit 20 Jahren – mit kurzen Unterbrechungen -  in diesem Bereich. Das eigene Netzwerk ist dann natürlich weit gefächert und glücklicherweise kenne ich immer Menschen, denen auch die Betreuung und Unterstützung von Opfern einer Straftat sehr am Herzen liegt.

Im Bereich der Kriminalprävention bin ich zwar an dienstliche Vorgaben gebunden, kann aber doch eigene Ideen verwirklichen zum Beispiel bei der Gestaltung von Vorträgen, Fortbildungen oder Projekten. Meine Hauptaufgabengebiete, in denen ich tätig bin, sind die Bereiche sexuelle Übergriffe und [digitale] Gewalt.

3. Im Bereich digitale Gewalt bilden Sie gemeinsam mit der Medienwerkstatt Minden-Lübbecke e.V. und in Kooperation mit dem Bildungsbüro des Kreises schon lange Cyberscouts aus? Worum geht es in diesem Projekt?

In der Tat gab es 2008 die ersten Cyberscouts hier im Kreis Minden-Lübbecke. Der Ursprungsgedanke war, die Kompetenz der Jugendlichen als „digital native“ zu nutzen. Erwachsenen wird manchmal die Kompetenz abgesprochen, weil sie sich nicht so sicher im Internet bewegen wie viele Jugendliche. Wir wissen natürlich auch, dass es Erwachsene gibt, die sich deutlich besser mit den Chancen, Risiken und Gefahren des Internets vertraut gemacht haben als Jugendliche – ohne „digital native“ zu sein.

Damals hießen die Scouts noch Cybercops, seitdem hat sich einiges geändert und das Projekt hat an Umfang gewonnen. Wir sind mittlerweile das Netzwerk „Cyberscouts“. Verschiedene Institutionen bilden an weiterführenden Schulen hier im Kreisgebiet ältere Schüler*innen zu Expert*innen in der Medienkompetenz aus, die dann ihr Wissen an die eigenen Mitschüler*innen, Eltern oder auch Lehrer*innen weiter geben. Die 16-stündige Ausbildung zu Cyberscouts wird von mir in Absprache mit der Schule organisiert, an der Ausbildung sind aber noch neben der Polizei die Verbraucherberatung und die Medienwerkstatt beteiligt. Danach entscheiden die Scouts dann selbst, wie sie sich an ihrer Schule einbringen. Häufig übernehmen sie in den unteren Jahrgangstufen kleine Unterrichtseinheiten, führen eigene Präventionsprojekte durch oder beraten Mitschüler*innen, wenn diese unter Übergriffen im Internet leiden.

4. Warum gerade „Peer to Peer“? Und was genau versteht man eigentlich darunter?

Peers sind Menschen, die in etwa den gleichen Status und das gleiche Alter wie ich haben. Bei Jugendlichen spielt auch noch das Verhältnis untereinander eine Rolle, Hierarchien wie im Verhältnis von Lehrer*innen zu Schüler*innen sind nicht relevant. Peers sind aber auch Expert*innen, die neben ihrem Wissen ihre Einstellungen und Erfahrungen weitergeben und bei Konflikten unterstützen. Das ist bei dem Cyberscout-Ansatz von hoher Bedeutung. Der Peer-to-Peer-Ansatz funktioniert nach der Theorie des Modelllernens. Da Gleichaltrige im Jugendalter zu zentralen Bezugspersonen werden, soll ihre Wirksamkeit als „Modell“ genutzt werden. Sie können nicht nur präventionsrelevantes Wissen übermitteln, sondern in Bezug auf ihr eigenes Verhalten im Internet Vorbild sein.

Der Austausch ist eher ungezwungen und unverkrampft, Erwachsene, d.h. Lehrer*innen oder Projektbetreuer*innen sollten nur beratend tätig werden und die Jugendlichen bei der Umsetzung ihrer Konzepte nicht beeinflussen.

5. Ihr wichtigster Tipp und wo kann ich mich informieren?

Meine wichtigsten Tipps in Bezug auf Internetnutzung lauten:

  • Erst denken, dann senden!
  • Glaub nicht alles, was du liest!

Informieren kann man sich über alles im Zusammenhang mit Straftaten bei der kriminalpolizeilichen Präventions – und Opferschutzdienststelle der Polizei Minden-Lübbecke:

Tel.: 0571/ 8866-4700

Kriminalhauptkommissarin Birgit Thinnes, Polizei NRW, Kommissariat Prävention und Opferschutz
 

  

(Das Interview führte Karin Detert, Bildungsbüro)