Seiteninhalt
24.11.2020

#denkenstattsenden

Polizei will sensibilisieren, um Kinder und Jugendliche vor strafbaren Handlungen im Internet  zu bewahren

Seit Jahresbeginn häufen sich bei der Polizei Vorfälle, in denen zunehmend Kinder und Jugendliche involviert sind. Immer wieder kursieren Sticker, Bilder und Videos durch die Chatgruppen, die erschreckende Inhalte haben. Kinder und Jugendliche wollen andere damit beeindrucken und besonders lustig sein und leiten die Inhalte ohne nachzudenken weiter.

Dabei ist ihnen nicht klar, dass es sich um reale Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs handelt.

Durch leichtfertiges Weiterleiten verbreiten sich diese Inhalte in allen Jahrgangsstufen. Wird man in der Chatgruppe damit konfrontiert, hat man sich möglicherweise bereits strafbar gemacht, denn schon der Besitz von Kinderpornografie ist eine Straftat. Um diese Verbreitung zu verhindern, macht die Polizei auf der Homepage www.polizei-beratung.de mit dem Kurzclip „sounds wrong“ auf dieses Phänomen aufmerksam. Mit einem Spot sollen die Schüler*innen sensibilisiert werden, diese Videos nicht weiterzuschicken, aus den Gruppen auszutreten, in denen Kinderpornografie verbreitet wird und die Inhalte dem Netzwerkbetreiber oder der Polizei zu melden.

Ebenso wird die Polizei mit einer weiteren Erscheinungsform derzeit (mal wieder) überrollt: Mädchen und Jungen versenden unbedarft Nacktfotos von sich.

Sexting ist nicht neu und die Ursachen für dieses Verhalten sind vielfältig. Sexting beschreibt das einvernehmliche Versenden von selbst erstellten intimen Fotos über das Internet oder Smartphone. Kinder und Jugendliche sind frisch verliebt, neugierig, wollen einfach mal etwas ausprobieren oder in der Gruppe ist es gerade besonders lustig, sich gegenseitig freizügige Bilder zu schicken. Sie sehen es als Vertrauensbeweis und Zeichen der Zuneigung an.

Allerdings kann sich wohl jeder gut vorstellen, dass es sehr schlimm sein kann, wenn solche privaten Bilder an Personen geraten, für die sie nicht gedacht waren. Wenn diese Menschen einen mit den Fotos dann auch noch erpressen, sie ungefragt weiterschicken oder sich darüber lustig machen, ist das auch kein „harmloser Streich“ mehr, sondern verstößt gegen das Gesetz. Strafrechtliche Relevanz kann auch entstehen, wenn der Inhalt pornografisch ist oder wenn Bilder missbräuchlich einem anderen Personenkreis zur Verfügung gestellt werden, als dem ursprünglich vorgesehenen. Sexting bei Minderjährigen kann einen Verstoß gegen sexuellen Missbrauch von Kindern darstellen. Wird das entsprechende Datenmaterial in WhatsApp-Gruppen versandt, kommen weitere Straftaten hinzu. Die Dimension ihres Handelns ist jungen Menschen oft nicht bewusst. Mit einem Klick machen sie sich selbst strafbar. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen für die auf den Fotos oder Videos zu sehenden Schüler*innen. Sie werden im Chat oder auf dem Schulhof beschimpft, ausgelacht und denunziert.Mit Blick auf die Folgen ist Sexting unter Kindern und Jugendlichen also nicht ratsam.

Hiervon unberührt ist die Strafbarkeit des Cybergroomings. Hier versuchen Täter*innen in Chats das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu erschleichen, um sie zum Übersenden von Nacktaufnahmen, Anfertigung kinderpornografischen Materials oder realen Treffen zu überreden.

Eine stärkere Aufklärung von Kindern im Umgang mit Smartphones und den sozialen Netzwerken ist dringend notwendig.

Eltern sind gefordert, das Nutzungsverhalten ihrer Kinder zu kennen und mit ihnen darüber frühzeitig zu reden. Mitarbeiter*innen aus Schule und Jugendhilfe müssen realisieren, dass es diese Phänomene gibt und sich für die Betroffenen einsetzen, auch wenn die ersten Posts von zu Hause gemacht wurden.

Ihre Ansprechpartnerin bei der Kriminalprävention / Opferschutz:
Birgit Thinnes
Tel.: 0571/8866-4701
E-Mail: birgit.thinnes@polizei.nrw.de