Seiteninhalt

TAM-Datenbank/Antibiotika

Mit den Änderungen im Tierarzneimittelgesetz wurden zum 01.01.2023 insbesondere Umgestaltungen bezüglich der Dokumentationspflichten bei Antibiotikaverwendungen sowohl für die Tierärztinnen und Tierärzte als auch für die Halterinnen und Halter von Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten vorgenommen.

Neben dem Antibiotikaminimierungskonzept gibt es nun auch eine Pflicht zur Antibiotika-Verbrauchsmengenerfassung für die Tierarztpraxis.

Antibiotika-Verbrauchsmengenerfassung (ABV)

Die Antibiotika-Verbrauchsmengenerfassung ist aufgrund von EU-Vorgaben in das Tierarzneimittelgesetz aufgenommen worden. Hiernach müssen Tierärztinnen und Tierärzte ab dem 01.01.2023 jede Verwendung (Verschreibung, Anwendung oder Abgabe) von antibiotisch wirksamen Arzneimitteln bei Tieren aller Nutzungsarten von Rind, Schwein, Huhn und Pute, unabhängig von der Bestandsgröße, in der HIT TAM-Datenbank erfassen. Das bedeutet, dass auch Antibiotika-Einsätze in privaten Haus- und Hobbyhaltung gemeldet werden müssen. Zwischen folgenden Nutzungsarten wird unterschieden:

Nutzungsart Erläuterungen
Rinder

Milchkühe

Rinder, zur Milcherzeugung, ab erster Abkalbung
Kälber, Zukauf
Nicht auf dem Betrieb geborene Kälber ab Einstallung bis 12 Monate
Mastrinder
Mastrinder ab 12 Monate
Sonstige Rinder
Rinder ab 12 Monate, weder Milchkühe noch Mastrinder
Kälber, eigene Aufzucht
Auf dem Betrieb geborene Kälber bis 12 Monate
Rinder im Transit
Rinder, die durch Besitzer- oder Standortwechsel nur wenige Stunden bis zu einer Woche gehalten werden
Schweine­
Saugferkel
Nicht abgesetzte Ferkel ab Geburt bis zum Absetzen vom Muttertier
Ferkel unter 30 kg
Abgesetzte Ferkel bis 30 kg
Mastschweine
Mastschweine ab 30 kg
Zuchtschweine
Zuchtsauen und Zuchteber ab Einstallung zur Ferkelerzeugung
Sonstige Schweine
Nicht zur Mast bestimmte Schweine ab 30 kg
Schweine im Transit
Schweine, die durch Besitzer- oder Standortwechsel nur wenige Stunden bis zu einer Woche gehalten werden
Hühner
Masthühner
Masthühner ab Schlupf
Legehennen
Zur Gewinnung von Konsumeiern bestimmte Hühner ab Aufstallung im Legebetrieb
Junghennen
Zur Gewinnung von Konsumeiern bestimmte Hühner ab Schlupf bis zur Aufstallung im Legebetrieb
Hühner-Eintagsküken
Hühner-Eintagsküken in Brütereien und beim Transport
Sonstige Hühner
Hühner, weder Masthühner, Legehennen, Junghennen noch Eintagsküken
Puten
Mastputen
Mastputen ab Schlupf
Puten-Eintagsküken
Puten-Eintagsküken in Brütereien und beim Transport
Sonstige Puten
Puten, weder Mast noch Eintagsküken

Grün-hinterlegte Felder sind auch Nutzungsarten des Antibiotikaminimierungskonzeptes

Antibiotikaminimierungskonzept (ABM)

Das Antibiotikaminimierungskonzept ist grundsätzlich bereits seit dem Jahr 2014 bekannt und hat zum Ziel, dass die Antibiotikaanwendung in der Nutztierhaltung reduziert und gleichzeitig die Entstehung resistenter Bakterien verhindert wird. In der HIT TAM-Datenbank müssen dafür unter Bezug auf die Nutzungsart Antibiotika-Einsätze und Tierzahlen gemeldet werden. Deutschlandweit werden aus den gemeldeten Antibiotikadaten Kennzahlen für die Nutzungsarten errechnet. Tierhalterinnen und Tierhalter die mit ihrer individuellen betrieblichen Therapiehäufigkeit eine der Kennzahlen überschreiten, müssen Maßnahmen zur Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes im Betrieb ergreifen.
Ab dem 01.01.2023 sind auch hier einige Änderungen in Kraft getreten.

Mitteilungspflichtige Nutzungsarten ABM

Eine mitteilungspflichtige Nutzungsart muss in der HIT TAM-Datenbank grundsätzlich 14 Tage nach Beginn der Haltung gemeldet werden. Für das Antibiotikaminimierungskonzept sind grundsätzlich zehn der insgesamt zwanzig Nutzungsarten als mitteilungspflichtig vorgesehen. Die tatsächliche Mitteilungspflicht entscheidet sich nach der jeweiligen Bestandsgröße.

Ab dem 1. Halbjahr 2023 besteht eine Mitteilungspflicht für Betriebe, wenn pro Nutzungsart durchschnittlich mehr als die aufgeführte Tierzahl im Halbjahr gehalten wird:

Nutzungsart Zeitraum
Tierzahl
Kälber, Zukauf
ab Einstallung bis 12 Monate
25
Milchkühe ab erster Abkalbung
25
Ferkel ab dem Absetzen bis 30 kg
250
Mastschweine
ab mehr als 30 kg 250
Saugferkel ab Geburt bis zu Absetzen
*wenn Mitteilungpflicht für Zuchtschweine besteht
Zuchtschweine Sauen und Eber ab Einstallung zur Ferkelerzeugung
85
Masthühner
ab dem Schlupf
10.000
Junghennen
ab dem Schlupf bis zur Aufstallung im Legebetrieb
1.000
Legehennen
ab Aufstallung im Legebetrieb
4.000
Mastputen
ab dem Schlupf
1.000

Die Mitteilungspflicht in der HIT TAM-Datenbank ist zu beenden, sobald ein Betrieb aufgelöst wurde oder die Bestandsuntergrenze nicht mehr überschritten wird. Hierbei können Sie die Hilfe zur Änderung der Mitteilungspflicht nutzen.

Meldungen in der HIT TAM-Datenbank

Sofern in einem mitteilungspflichtigen Betrieb in einem Halbjahr Antibiotika verwendet wurden, müssen vom Betrieb spätestens 14 Tage nach Ende des Halbjahres (14.01. und 14.07.) der Anfangsbestand und die Bestandsveränderungen in der HIT TAM-Datenbank gemeldet werden.
Sofern im Halbjahr kein Antibiotika eingesetzt wurde, ist eine Nullmeldung in der HIT TAM-Datenbank abzugeben. Hierbei können Sie die Hilfe zur Eingabe der Nullmeldung nutzen.

Die Antibiotika-Meldungen müssen von der Tierarztpraxis vorgenommen werden (siehe Antibiotika-Verbrauchsmengenerfassung). Der Tierhaltungsbetrieb ist nicht mehr berechtigt, die Behandlungen mit Antibiotika selbst in der HIT TAM-Datenbank einzutragen.

Zur Kontrolle Ihrer Eingaben in der HIT TAM-Datenbank können Sie diesen Überprüfungsbogen nutzen.

Meldungen können grundsätzlich nur noch elektronisch in der HIT TAM-Datenbank vorgenommen werden. Es kann jedoch weiterhin ein Dritter mit der Meldung beauftragt werden (Tierhalter-Erklärung in HIT TAM-Datenbank notwendig).

Kennzahlen

Die Kennzahlen werden auf der Website des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) einmal jährlich, jeweils am 15.02., bekannt gegeben (aktuellen Kennzahlen: 2023/II und 2024/I).

Die individuelle betriebliche halbjährliche Therapiehäufigkeit muss für das 1. Halbjahr bis zum 01.09. und für das 2. Halbjahr bis zum 01.03. mit den jeweils gültigen Kennzahlen vergleichen und vom Betrieb dokumentiert werden.

Bei Überschreitung der Kennzahlen sind folgende Maßnahmen zu ergreifen:

Kennzahl Maßnahme
Überschreitung Kennzahl 1 Beratungsgespräch zur Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes mit der Tierarztpraxis vereinbaren.

Überschreitung Kennzahl 2



Beratung und Erstellung eines Maßnahmenplans durch die Tierärztin oder den Tierarzt.
Der Maßnahmenplan muss der Behörde für das 1. Halbjahr bis zum 01.10. und für das 2. Halbjahr bis zum 01.04. vorgelegt werden.
*Bei wiederholter Überschreitung der Kennzahl 2 im unmittelbar folgenden Halbjahr, muss für dieses Halbjahr kein Maßnahmenplan erstellt werden. Dies bedeutet, dass pro Kalenderjahr maximal ein Maßnahmenplan erstellt werden muss.