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„Einstiegsqualifizierung plus Sprache“ - Kreis Minden-Lübbecke hat gemeinsam mit der IHK-Akademie Ostwestfalen ein Berufsvorbereitungsprogramm für geflüchtete Menschen durchgeführt.

Ein Jahr lang haben 15 junge Frauen und Männer aus den Herkunftsländern Irak, Iran, Afghanistan, Syrien und Guinea an dem Projekt „Einstiegsqualifizierung (EQ) plus Sprache“ teilgenommen. Das Programm „EQ plus Sprache“ verknüpft eine intensive Sprachförderung mit der Vermittlung von berufspraktischen Kenntnissen. Das IHK-Konzept wurde aufgrund der Kooperation des Kreises Minden-Lübbecke mit der VHS Minden / Bad Oeynhausen erstmals auch in Minden mit eigenem Kursstandort umgesetzt. Finanziell gefördert wird das Programm durch die Paul und Karin Gauselmann Stiftung und den Kreis Minden-Lübbecke.

„Mit dem Programm soll den Geflüchteten der Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert werden. Denn eine direkte Vermittlung in Ausbildung ist nicht immer möglich, da für die betrieblichen Anforderungen meist die Sprachkenntnisse nicht ausreichen“, erklärt Cornelia Schöder, Kreisdirektorin. Acht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben bereits vor Ende des Projekts einen Ausbildungsvertrag bei ihrem projektteilnehmenden Betrieb erhalten. Einer von ihnen ist der 26-jährige Mohammad Ahmad, der aus Syrien stammt und jetzt in Bad Oeynhausen lebt. Er erzählt von seinen Erfahrungen zum Programm „EQ plus Sprache“.

Warum haben Sie Ihre Heimat verlassen und wie lange sind Sie schon in Deutschland?

Ich bin vor dem Krieg in Syrien geflohen. Ich konnte dort weder Lernen noch Arbeiten – ich hatte keine Zukunft. Seit fast vier Jahren lebe ich jetzt in Deutschland. 2015 bin ich in Leipzig angekommen und anschließend nach Dortmund in die zentrale Aufnahmeeinrichtung gebracht worden. Von dort bin ich nach einem Monat nach Bad Oeynhausen gezogen.

Welchen Beruf/ Schulabschluss haben Sie in Ihrem Herkunftsland erlernt?

Ich habe Abitur gemacht und dann angefangen zu studieren. Nebenbei habe ich als Maler und Elektriker gearbeitet.

Wie sieht Ihr Leben im Kreis Minden-Lübbecke aus?

Ich wohne in Bad Oeynhausen mit meiner Frau. Der Kreis Minden-Lübbecke ist schön – Nicht zu groß und nicht zu klein. Gerne gehe ich mit meiner Frau in Bergkirchen spazieren. Ich habe viele Freunde gefunden – Arabische und Deutsche. Ich habe sie einfach auf der Straße kennengelernt. Ich habe jetzt zwei Orte, die mir viel bedeuten: Damaskus in Syrien, weil ich dort geboren und aufgewachsen bin. Auch meine Verwandtschaft wohnt dort noch. Und Bad Oeynhausen: Hier wohne und lebe ich jetzt.

Was machen Sie jetzt beruflich im Kreis Minden-Lübbecke?

Ich habe zuerst den Integrationskurs besucht und mein B1- Zertifikat gemacht. Anschließend habe ich mich mit dem Jobcenter gemeinsam beraten, wie es weitergeht. Ich wollte arbeiten, aber auch noch weiter besser Deutsch lernen. So habe ich mich für das einjährige „EQ plus Sprache Programm“ entschieden. In dem Programm hatte ich die Möglichkeit  ein Langzeitpraktikum in einem Betrieb zu absolvieren und zusätzlich mein B2-Zertifikat zu machen. Ab dem 1. September fängt meine Ausbildung zum Anlagenmechaniker in  Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik  bei der Bröllhorst Brölhorst GmbH & Co. KG - Heizung Sanitär in Bünde an.

Wer war Ihr persönlich „wichtigster“ Unterstützer im Beruf?

Alle meine Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit haben mich sehr unterstützt. Sie haben mir bei der Arbeit und bei anderen Fragen geholfen, besonders mein Chef. Als ich neu im Kreis war, hat mir die Flüchtlingsberatung sehr geholfen.

Das Projekt „Einstiegsqualifizierung (EQ) plus Sprache“

Das Programm besteht aus zwei Säulen: Im berufspraktischen Teil – der so genannten Einstiegsqualifizierung (EQ) - werden Tätigkeiten aus dem ersten Ausbildungsjahr im Betrieb erlernt. Flankierend werden – in der zweiten Säule - die Deutschkenntnisse in einem gezielt auf arbeitskulturelle Inhalte ausgerichteten Intensiv-Sprachkurs verbessert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer  starten mit einem Sprachniveau von B1 in den Kurs und werden auf das für eine Berufsausbildung erforderliche B2-Niveau geschult.

Eine EQ-Maßnahme kann von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter gefördert werden. Sie dauert in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten.

Foto: Dennis Vogt / Kreis Minden-Lübbecke

Foto: Mohammad Ahmad, Teilnehmer Projekt „Einstiegsqualifizierung (EQ) plus Sprache“