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Konflikte in der Pflege zu Hause entspannen

Kreis Minden-Lübbecke, 29.06.2009


Neues Angebot: Telefonische Begleitung der TelefonSeelsorge Ostwestfalen in Zusammenarbeit mit dem Kreis Minden-Lübbecke 

Unter den bekannten kostenlosen Telefonnummern 0800 - 111 0 111 oder 111 0 222 der TelefonSeelsorge Ostwestfalen können ab sofort insbesondere auch Pflegebedürftige und pflegende Angehörige Konflikte und Probleme in der Pflege zu Hause ansprechen. Schwierige häusliche Pflegesituationen sollen hierdurch entspannt und Pflegende emotional unterstützt werden. Bei einer Veranstaltung im Kreishaus in Minden wurde dieses spezielle Angebot der TelefonSeelsorge Ostwestfalen nun der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Die Versorgung pflegebedürftiger Menschen stellt für alle damit Betrauten eine große Herausforderung dar. Nicht selten geraten Pflegebedürftige und ihre Angehörigen dabei an ihre persönlichen Grenzen“, sagte Landrat Dr. Ralf Niermann in seiner Begrüßung. „Dieses spezielle Angebot der TelefonSeelsorge Ostwestfalen leistet einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der häuslichen Pflege, eines der erklärten Ziele der kommunalen Pflegeplanung des Kreises Minden-Lübbecke.“

Jürgen Tiemann, Superintendent des Kirchenkreises Minden, hob in seinem Grußwort ergänzend die Rolle der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge Ostwestfalen hervor, deren Engagement unverzichtbar ist. Er würdigte die wichtige Arbeit der pflegenden Angehörigen und stellte heraus, dass diese Tätigkeit oft anstrengender und anspruchsvoller als Kindererziehung ist.

Mit Grenzerfahrungen in der häuslichen Pflege befasste sich der Gastvortrag von Silke Niewohner, Leiterin der Landesstelle Pflegende Angehörige NRW. Gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Landesseniorenvertretung als Träger der Landesstelle und finanziell gefördert vom Ministerium für Arbeit und Gesundheit und Soziales NRW setzt sie sich für bessere Rahmenbedingungen pflegender Angehöriger ein. Wenngleich die Pflege zu Hause meist aus Liebe und Zuneigung übernommen wird, kann hieraus im Laufe der vielen Jahre, die eine häusliche Pflege andauern kann, Überforderung, Erschöpfung und Gewalt in ihren unterschiedlichsten Formen werden. „Denn“, so unterstrich Frau Niewohner, „Pflege zu Hause ist eine Vollzeitstelle, ein ständiger Bereitschaftsdienst mit vielfältigen organisatorischen Aufgaben.“ Rollenkonflikte und mangelnde Anerkennung können die Situation zusätzlich erschweren. Frau Niewohner forderte, mit pflegenden Angehörigen darüber zu sprechen, was sie brauchen und auf dieser Grundlage ein möglichst undurchlässiges Hilfenetz an Beratungs- und Unterstützungsleistungen zu schaffen. Abschließend stellte Frau Niewohner fest, dass dieses Netz im Kreis Minden-Lübbecke mit dem neuen Angebot der TelefonSeelsorge Ostwestfalen erfreulich engmaschiger geworden ist.

Entwickelt worden ist das Angebot der telefonischen Begleitung in kritischen Pflegesituationen im Zusammenhang mit dem Arbeitskreis „Häusliche Gewalt in der Pflege“, einem gemeinsamen Arbeitskreis von Gleichstellungsstelle und Sozialamt des Kreises. In diesem Arbeitskreis wirken seit Anfang 2008 Fachleute aus Verwaltung, frauenunterstützenden Einrichtungen, Pflegeberatungsstellen, ambulanten Pflegediensten, Wohlfahrtsverbänden, Pflegekassen, der Polizei, Telefonseelsorge und aus dem Bereich Betreuung zusammen. Andrea Strulik, Gleichstellungsbeauftragte, und Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange, informierten darüber, wie dieses Angebot der TelefonSeelsorge Ostwestfalen in die gesamte themenbezogene Arbeit im Kreis Minden-Lübbecke eingebettet ist.
Die stellvertretende Leiterin der TelefonSeelsorge Ostwestfalen, Sabine Scholz-Hörstmann, wies darauf hin, dass die TelefonSeelsorge rund um die Uhr, 24 Stunden an jedem Tag das ganze Jahr über mit geschulten ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besetzt ist. „Sollte es passieren, dass Sie nicht gleich durchkommen, zumal manche Gespräch aus länger dauern können, probieren Sie es bitte öfter, wenn möglich auch zu verschiedenen Zeiten“, ermutigte Frau Scholz-Hörstmann Pflegebedürftige und ihre Angehörigen.

Das spezielle Angebot der TelefonSeelsorge Ostwestfalen in Zusammenarbeit mit dem Kreis Minden-Lübbecke soll auch dazu beitragen, das Thema „Häusliche Gewalt in der Pflege“ aus der gesellschaftlichen Tabuzone herauszuholen und Hilfestellungen zu geben. Eine Pflegeberatung erfolgt ausdrücklich nicht. Bei Bedarf werden die Anruferinnen und Anrufer an die entsprechenden Pflegeberatungsstellen und weitere Angebote im Kreis Minden-Lübbecke verwiesen.


Ansprechpartnerin und Ansprechpartner beim Kreis Minden-Lübbecke:

Andrea Strulik
Gleichstellungsbeauftragte
Tel.: (0571) 807-2109, E-Mail: a.strulik@minden-luebbecke.de

Klaus Marschall
Koordinator für Behinderten- u. Seniorenbelange
Tel.: (0571) 807-2287, E-Mail: k.marschall@minden-luebbecke.de

 

Foto: (v. l. n. r) Dr. Ralf Niermann, Landrat Kreis Minden-Lübbecke, Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- u. Seniorenbelange Kreis Minden-Lübbecke, Marion Neuper, Moderatorin
Silke Niewohner, Landesstelle Pflegende Angehörige NRW, Andrea Strulik, Gleichstellungsbeauftragte Kreis Minden-Lübbecke, Sabine Scholz-Hörstmann, stv. Leiterin TelefonSeelsorge Ostwestfalen, Jürgen Tiemann, Superintendent Kirchenkreis Minden
Foto: Sebastian Sieg/Kreis Minden-Lübbecke