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05.11.2018

8. Symposium Intelligente Gebäudetechnologien auf dem Campus Minden

Bürgerbeteiligung, Datenschutz und fehlende Regulierung der Eigentumsrechte an gewonnenen Daten waren die großen Themen auf dem 8. InteG-Symposium am Campus Minden der FH Bielefeld. Reallabore, international „Living Labs“ genannt, können die Fähigkeiten von Intelligenten Gebäuden durchaus weiter vorantreiben. Vorher ist aber eine klare Festlegung zum „Data Ownership“ nötig. Initiatoren des Symposiums sind die Fachhochschule Bielefeld, der Kreis Minden-Lübbecke und Energie Impuls OWL e. V.

Fast hundert Architekten, Bauingenieure, Planer, Facility Manager, Komponentenhersteller und Handwerker diskutierten am Campus Minden mit Wissenschaftlern und kommunalen Vertretern über die Möglichkeiten der „Living Labs“. Diese unterscheiden sich von normalen Laboren, die in der Regel in geschützten Räumen untergebracht sind. Living Labs finden stattdessen in normalen Umgebungen, wie zum Beispiel der eigenen Wohnung, in öffentlichen Gebäuden oder auf offener Straße statt. Für die Messungen kommen Technologien wie Kameras und Sensoren zum Einsatz.

In einer Keynote wies Prof. Dr. Hans J. Lietzmann vom Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung an der Bergischen Universität Wuppertal auf die umfassende Änderung der Bürgerbeteiligung über das letzte Jahrhundert hin. Parteimitgliedschaften und Wahlbeteiligung nehmen ab, umgekehrt steigt die Bereitschaft der Bevölkerung sich über Veranstaltungen wie Demonstrationen, Bürgeranhörungen und Volksentscheide einzubringen. Prof. Lietzmann zeigte auch, wie stark die bürgerliche Mitbestimmung einen Planungsprozess inzwischen beeinflusst.

Die „Living Labs“ wurden von Tinus Kanters aus dem niederländischen Eindhoven am konkreten Beispiel erklärt: In der von Pubs gesäumten Innenstadtstraße Stratumseind hat sein Projektteam mit verschiedensten Sensoren und Kameras gezeigt, inwiefern Lichtwirkung das Verhalten der 20.000 Besucher pro Wochenende beeinflussen kann. Kanters präsentierte, mit welchen Erwartungen die Projektpartner, darunter die Technische Universität Eindhoven, die Stadt Eindhoven und die Firma Philips in das Projekt gestartet sind und wie sie im Laufe der vergangenen vier Jahren die Fragestellung geändert haben. Aus “wie können verschiedene Lichtzenarien die Stimmung positiv beeinflussen” wurde letztendlich “wann und inwiefern beeinflusst Licht das Verhalten der Kneipenbesucher”. Auch betonte er die Notwendigkeit der klaren Abstimmung, wem die gesammelten Daten gehören und forderte, einen Europäischen Ansatz zu verfolgen: “In Amerika liegen die Datenrechte bei den Firmen, in China sind sie in den Händen der Regierung. Wir in Europa müssen dafür sorgen, dass die Daten im Besitz derer sind, denen sie gehören: den Bürgern”.

In einer der drei Kurzbeiträge zu regionalen Beispielen erläuterte Martin Schnellhammer vom Living Lab „Wohnen und Pflege“ in Osnabrück Selfcare-Ansätze. Dabei werden mithilfe von Sensorik, einer Onlineplattform und verschiedenen Eingabegeräten Pflegepersonal, Patienten und Ärzte stärker miteinander verknüpft und gesundheitliche Trends des Patienten effektiv ausgewertet. Sebastian Schriegel vom Fraunhofer IOSB-INA in Lemgo stellte das Internet of Things-Reallabor für Mittelstädte vor. Am Beispiel des ÖPNV und der Parkplatzsituation in Lemgo erklärte er, wie Smart-City-Anwendungen in Mittelstädten eingesetzt und angenommen werden und wie mithilfe des Reallabors neue Innovationen entstehen. Jan Budke und Tim Wächter vom Institut für intelligente Gebäude (InfinteG) in Minden zeigten die Hürden auf dem wissenschaftlichen Weg zum möglichen Living Lab im Bereich Wohlbefinden am Arbeitsplatz und Brandschutzplanung: „Man kann sein Reallabor nicht in Brand setzen, um optimale Testbedingungen für eine dynamische Fluchtwegeleitung zu erhalten“, so Wächter.

 Das Forum wurde genutzt, um über den Einsatz von moderner Sensorik in intelligenten Gebäuden, das Feedback zwischen Nutzer und Technik und die Einbeziehung des Nutzers in die Technikplanung zu diskutieren.

 

Mit dem Entwicklungszentrum Intelligente Gebäudetechnologien, kurz InteG e.V., hat sich am Campus Minden eine Plattform für Forschung und Praxis etabliert, um Ergebnisse für die menschenzentrierten Technologien der digitalisierten Zukunft zu erarbeiten.

Das Symposium Intelligente Gebäudetechnologien, das inzwischen zum 8. Mal stattfand, reiht sich ein in das Projekt „Klimaschutz, Energie und Bauen 4.0 des integrierten Handlungskonzepts OWL 4.0. und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW gefördert. Weiter wird es unterstützt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und ist Teil der Leistungsschau KlimaExpo.NRW. Initiatoren des Symposiums sind die Fachhochschule Bielefeld, der Kreis Minden-Lübbecke und Energie Impuls OWL e. V.

Mehr Info über das Symposium finden Sie im angehängten Flyer. Korrespondenz und Fragen an: info@integ-owl.de

InteG e.V. – Entwicklungszentrum für intelligente Gebäudetechnologien wurde 2012 gegründet und ist eine Initiative der Fachhochschule Bielefeld – Campus Minden, des Kreises Minden-Lübbecke, Energie Impuls OWL, VDI OWL, HWK OWL-Lippe zu Bielefeld, IHK OWL zu Bielefeld, Initiative Wirtschaftsstandort Herford und Techtalk-Vaessen. Mehr Info über InteG e.V.: www.integ-owl.de