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06.12.2018

Leben mit geistiger Behinderung und Demenz

Fachtag des DemenzNetz im Kreishaus

Wie gehe ich mit geistig behinderten Menschen um, die an Demenz erkrankt sind? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Besucherinnen und Besucher des Demenzfachtags zu dem das DemenzNetz des Kreises Minden-Lübbecke und das Demenzservicezentrum Ostwestfalen eingeladen haben. Der Fachtag richtete sich dieses Mal speziell an Mitarbeitende der Eingliederungshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz. Über 100 Interessierte kamen im Sitzungssaal des Kreishauses in Minden zusammen.

„Die große Resonanz zeigt, wie wichtig diese Frage für Menschen ist, die beruflich mit Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz zu tun haben“, sagt Dr. Christian Adam, Koordinator des DemenzNetzes (Sozialamt Kreis Minden-Lübbecke). Da die Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Behinderung steige, nehme auch die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung zu. Daher gewinne dieses Thema zunehmend an Relevanz, so Adam weiter.

Die interessierten Besucherinnen und Besucher erhielten bei dem Fachtag die Möglichkeit, sich intensiver mit dem Krankheitsbild zu beschäftigen, sich aber auch zum Umgang mit betroffenen Bewohnerinnen und Bewohnern zu informieren.

Landrat Dr. Ralf Niermann führte zu Beginn der Veranstaltung in das Thema ein. „Demenz hat gravierende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und die kognitiv-intellektuelle Leistungsfähigkeit bei Menschen mit geistiger Behinderung. Hinzu kommt, dass bei vielen Menschen mit geistiger Behinderung die Demenz auch bereits im jüngeren Lebensalter auftritt und die Alltagsgestaltung bestimmt.“ Diese Entwicklung stelle die Behindertenhilfe vor neue Herausforderungen, so Niermann.

Hauptreferentinnen der Tagung waren Prof. Dr. Sandra-Verena Müller von der Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel und Dr. Heike Lubitz von der Leibnitz Universität Hannover. Prof. Dr. Müller ist Leiterin des Projektes „Projekt Demenz – Leben mit geistiger Behinderung und Demenz“.  In ihrem Vortrag ging sie näher auf aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Demenz bei Menschen mit geistiger Behinderung, insbesondere der Demenzdiagnostik ein.

Dr. Heike Lubitz ist Dozentin für Sonderpädagogik. Sie referierte über das Stressempfinden von Mitmenschen, die im Umfeld von demenziell veränderten Personen mit Behinderung leben. Beide machten in ihren Vorträgen klar, wie wichtig das Thema für Mitarbeitende der Eingliederungshilfe ist. Durch die Darstellung aktueller Forschungsergebnisse anhand anschaulicher Beispiele konnten Mitarbeitende ihr Fachwissen vertiefen und bestimmte Reaktionen nachvollziehen, um in Situationen mit Betroffenen professioneller handeln zu können.

Nach der Mittagspause wurden in verschiedenen Workshops Themen wie Erkennungsmethoden und Diagnostik einer Demenzerkrankung und verschiedene Umgangsmethoden in täglichen Situationen mit Demenz behandelt.

Lisa Oermann, Dipl.-Pädagogin aus Osnabrück, beleuchtete in ihrem Workshop die Biographiearbeit mit älter werdenden Menschen mit geistiger Behinderung oder Demenz. In einem weiteren Workshop nahm Dr. Christian Kappe, Facharzt für Psychotherapie und Psychiatrie aus Bad Oeynhausen, Bezug auf die Demenzdiagnostik. Ein weiterer Workshop thematisierte, wie sich Betroffene mithilfe von Humor der Diagnose „Demenz“ stellen können.

Kriterien zum Erkennen, Erfassen und Beurteilen von demenziellen Entwicklungen bei älteren Menschen mit geistiger Behinderung wurden in den Workshops erläutert und wichtige Aspekte für die Begleitung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen diskutiert.

Ein weiteres Ziel des Netzwerktreffens war es, die Mitarbeitenden und die Einrichtungen der Eingliederungshilfe für die Mitgestaltung des regionalen Netzwerks zu gewinnen. Der Fachtag sollte deutlich machen, wie wichtig das Thema in der heutigen Eingliederungshilfe ist und dass Demenz bei Menschen mit einer geistigen Behinderung schon lange kein Nischenthema mehr ist.

Eine weitere Vertiefung des Themas im DemenzNetz des Kreises Minden-Lübbecke ist geplant. Aktuelle Informationen rund um den Fachtag und zu den durchgeführten Workshops sind zu finden unter: www.demenznetz.info, Ansprechpartner: Dr. Christian Adam (Kreis Minden-Lübbecke), E-Mail: c.adam@minden-luebbecke.de

Foto Demenzfachtag (v.l.)

Claudia Dierkes (Lebenshilfe Lübbecke), Johanna Hopmeier (Lebenshilfe Wohnen NRW), Doris Kaase (Demenzcoach), Saskia Krieger (Diakonische Stiftung Wittekindshof), Jan Meyer (Diakonische Stiftung Wittekindshof), Naila Altvater (Demenzfachdienst Bad Oeynhausen), Dr. Christian Adam (Kreis Minden-Lübbecke), Doris Schellenberg (Demenzfachdienst Bad Oeynhausen), Prof. Dr. Sandra Verena Müller (Ostfalia Hochschule Wolfenbüttel), Hartmut Emme von der Ahe (PariSozial Minden-Lübbecke/Herford), Hanna Stahlhut (Diakonische Stiftung Salem), Dirk Eickmeyer (Demenz-Servicezentrum Ostwestfalen-Lippe), Dr. phil. Heike Lubitz (Leibniz Universität Hannover), Landrat Dr. Ralf Niermann, Reinhard Fukerider (Demenz-Servicezentrum Ostwestfalen-Lippe).

Foto: Janine Küchhold (Kreis Minden-Lübbecke)