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14.03.2019

19. März ist der Tag des Gesundheitsamtes

Infektionsschutz, Schuleingangsuntersuchungen, Trinkwasserhygiene oder chemikalienrechtliche Überwachung – die Aufgabenfelder des Gesundheitsamtes des Kreises Minden-Lübbecke sind vielseitig und vor allem: den Bürgerinnen und Bürgern oft nicht bekannt. Das sagt auch Dr. Elke Lustfeld, Leiterin des Gesundheitsamtes Minden-Lübbecke. „Unsere tägliche Arbeit betrifft jeden Bürger hier im Kreisgebiet, aber viele wissen nicht, was das Gesundheitsamt genau macht.“ Um das zu ändern, hat das Robert-Koch-Institut mit dem 19. März den Tag des Gesundheitsamtes 2019 erstmals ausgerufen.

Infektionsschutz

„Leistungsfähige lokale Gesundheitsbehörden sind überall auf der Welt das Rückgrat der Gesundheit der Bevölkerung.“ heißt es in der Presseerklärung des Robert-Koch-Institutes. Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten gehört dabei zu den sichtbareren Aufgaben lokaler Gesundheitsbehörden. Was das genau bedeutet, zeigt sich auch im Kreisgesundheitsamt. Im Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist festgelegt, welche Krankheiten und Erreger meldepflichtig beim Gesundheitsamt sind. Dazu gehören unter anderem Röteln, Windpocken und Tuberkulose. Eingehende Meldungen werden vom Gesundheitsamt geprüft, damit Schutzmaßnahmen eingeleitet werden können. Diese Schutzmaßnahmen werden je nach Gefährdungseinschätzung für den Einzelnen oder die Öffentlichkeit festgelegt. Besonders wenn Gemeinschaftseinrichtungen zum Beispiel Schulen, Alten- und Pflegeheime oder Krankenhäuser betroffen sind, müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort handeln. Maßnahmen können Umgebungsuntersuchungen, Quarantänebestimmungen oder sogar Berufs- und Tätigkeitsverbote sein. Im Bereich des Infektionsschutzes sind aber vor allem die Präventionsmaßnahmen ein wichtiger Baustein. „So ist das Gesundheitsamt gesetzlich dazu verpflichtet, die Einhaltung hygienischer Maßnahmen in Krankenhäusern und in Alten- und Pflegeheimen, in Piercing- und Tätowierstudios und diversen Gemeinschaftseinrichtungen zu prüfen“, sagt Lustfeld. Hinzugekommen seien außerdem die ambulanten Pflegedienste, die ebenfalls seit dem letzten Jahr geprüft werden.

Hygiene

Damit auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen im Bereich Hygiene bestmöglich ausgebildet sind, bietet das Kreisgesundheitsamt die Fortbildung zum Hygienebeauftragten an. Die Fortbildung orientiert sich an den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Ziel des Angebotes ist es, die nötige Sachkenntnis zu vermitteln, damit das Personal und die Einrichtungen selbst ihre Strukturen für Hygienestandards entwickeln, verbessern und in den Einrichtungen umsetzen können. „Je besser das Hygienepersonal geschult ist, desto wirkungsvoller können Infektionen vermieden werden“, sagt Dr. Indra Schubert, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes Minden-Lübbecke für den Bereich Infektionsschutz und Hygiene. 

Die weitere Verbreitung Multiresistenter Keime (MRE) zu verhindern gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Gesundheitsamtes. Aus diesem Grund hat sich das lokale Netzwerk MRE im Kreis Minden-Lübbecke gegründet. Über das Gesundheitsamt wird das Netzwerk koordiniert. Das Netzwerk hat zum Ziel, Hygienemaßnahmen für den Umgang mit multiresistenten Erregern im Gesundheitswesen zu koordinieren und ein gemeinsames Konzept zur Reduktion von MRE zu erarbeiten. 

Das Aufgabenspektrum des Gesundheitsamtes sei in den vergangen Jahren kontinuierlich angewachsen, erklärt Lustfeld. Grund dafür seien vor allem immer mehr gesetzliche Bestimmungen, die umgesetzt werden müssen. Als weiterer Aufgabenbereich ist mit der Trinkwasserverordnung die Trinkwasserhygiene hinzugekommen. Das Gesundheitsamt ist dazu verpflichtet, die Trinkwasserqualität regelmäßig zu prüfen. Glücklicherweise, so Lustfeld wurden in den vergangenen Jahren keine Überschreitungen von Grenzwerten im öffentlichen Trinkwassernetz festgestellt.

Beratungsangebote

Depressionen, Angstzustände oder Burn-Out - psychische Ausnahmesituationen können Jede und Jeden treffen. Das Kreisgesundheitsamt ist daher dafür zuständig, Beratungsangebote für Betroffene und ihren Angehörigen zu schaffen. In persönlichen Gesprächen - auf Wunsch auch gemeinsam mit Angehörigen – wird die aktuelle Situation besprochen und über Hilfsmöglichkeiten informiert. Diese Hilfen können sich auf ganz unterschiedliche Bereiche beziehen, wie zum Beispiel Gesundheit, Wohnen, Arbeit oder Freizeit. Als Ansprechpartner stehen Diplom-Sozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter zur Verfügung sowie eine Fachkrankenschwester für Psychiatrie und zwei Ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie.

Besonders im Bereich der Beratungsangebote zeigt sich auch die Multiprofessionalität des Teams um Dr. Elke Lustfeld. „Durch die verschiedenen Pflichtaufgaben und Beratungsangebote, die das Gesundheitsamt wahrnimmt, sind die unterschiedlichsten Berufsgruppen im Gesundheitsamt vertreten,“ so die Amtsleiterin. Allerdings werde es immer schwerer, Personal zu finden. „Die Aufgaben wachsen, aber das geschieht bei gleichbleibendem Personal.“ Dabei seien die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine gute Bezahlung sowie flexible Arbeitszeiten auch im Gesundheitsamt gegeben. Und trotzdem bleibe der Zulauf eher übersichtlich. Auch das zeige, dass es zu wenig Wissen über die Arbeit des Gesundheitsamtes gebe. Dabei, so Lustfeld weiter, gehöre die Arbeit der Gesundheitsämter zur „dritten Säule“ unseres Gesundheitssystems.“ Zur Erklärung: das deutsche Gesundheitssystem beruht auf drei Säulen: Der ambulanten medizinischen Versorgung, der stationären medizinischen Versorgung und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst.

Amtsärztliche Untersuchungen

Eine Bevölkerungsgruppe, die auf jeden Fall Berührungspunkte mit dem Gesundheitsamt hat, sind Eltern schulpflichtiger Kinder.Die Einschulungsuntersuchungen von Kindern werden durch Ärztinnen und Ärzte des Gesundheitsamtes durchgeführt. In dieser Untersuchung wird gemeinsam mit den Eltern eine Empfehlung zur Schulfähigkeit ausgesprochen. „Auch in vielen anderen Bereichen fordert der Gesetzgeber, dass eine ärztliche Untersuchungen durch eine öffentliche Stelle erfolgen muss“, erklärt Dr. Anette Partmann, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes für den Bereich amtsärztliche Untersuchungen. Für Menschen, die ihren Hauptwohnsitz im Kreis Minden-Lübbecke haben, wird diese amtsärztliche Untersuchung im Gesundheitsamt durchgeführt. Vor Einstellung in den öffentlichen Dienst oder vor Verbeamtung verlangt der zukünftige Arbeitgeber ein amtsärztliches Zeugnis zur aktuellen Eignung.

Der Tag des Gesundheitsamtes

Der 19. März ist der Geburtstag von Johann Peter Frank. Der 1745 im pfälzischen Rodalben geborene Arzt gilt als Begründer des Öffentlichen Gesundheitswesens, der Sozialhygiene und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Sein Ziel war es, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern, unter anderem durch eine staatliche Gesundheitsverwaltung und gesundheitsförderliche Lebensbedingungen. Die Idee zu einem „Tag des Gesundheitsamtes“  kam vom Robert-Koch-Institut. Das RKI arbeitet auf Bundesebene für den Schutz und die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung (Public Health). Mit einem solchen Gedenktag oder ,,Awareness Day‘‘ soll der lokale Öffentliche Gesundheitsdienst gewürdigt werden, der national und international eine wichtige und viel zu wenig bekannte Säule für die Gesundheit der Bevölkerung darstelle, so das Institut.

Weitere Informationen sind erhältlich unter www.minden-luebbecke.de/Service/Gesundheit und unter www.rki.de/tag-des-gesundheitsamtes.