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12.04.2019

Kita- und Schulleiterinnen aus Estland informieren sich im Mühlenkreis

14 Kita- und Schulleiterinnen aus der Partnerregion Viljandi in Estland haben sich über die Bildungsangebote im Kreis Minden-Lübbecke informiert. Die thematischen Schwerpunkte waren Aufgaben und Organisationsstruktur des Jugendamtes sowie das Schulsystem in NRW, die Aufgaben des Kreisschulamtes und die kommunal-staatliche Zusammenarbeit im Bildungsbereich.

Besichtigt haben sie die kreiseigene Kita Mühlenzwerge in Lübbecke und den kirchlich geführten Kindergarten Christuskirche II. Die Besucherinnen machten sich ein Bild über die Themenarbeiten in den Gruppen und interessierten sich insbesondere für die Vorbereitung auf die Grundschule und die Beurteilungsmethoden. Über die strukturellen Aufgaben und Jugendamtsarbeit referierte Heike Zelle vom Kreisjugendamt. In den Diskussionen kristallisierte sich heraus, dass der Betreuungsschlüssel unterschiedlich ausfällt. In Estland stehen mehr Erzieherinnen und Erzieher für die Gruppenarbeit und die Betreuung zur Verfügung. Auch die Verpflegung der Kinder sowohl in den Kindergärten als auch in den Schulen wird von den Städten und Gemeinden finanziert.

Im Bereich der Schulbildung standen die Schulaufsichtsbeamtinnen Claudia von Minden und Dr. Iris Hohberg sowie die Leiterin des Schulamtes Antje Gieselmann den Kolleginnen aus Estland fachlich zur Seite. Ein Unterschied in der Schulbildung ist beispielsweise, dass die Klasse eins bereits im letzten Kindergartenjahr im Bereich Kindergarten beginnt. Eine weitere Unterscheidung ist auch im Bereich der Sekundarstufe I , die in der Form, wie sie in Deutschland gilt, in Estland nicht existiert. In Estland wird nach der Grundschule die Klasse fünf bis neun als „Gesamtschule“ bezeichnet, nach den neun Klassen erfolgt der gymnasiale Zweig, der bis Klasse 12 geht.

Als Beispielgrundschulen mit ganz unterschiedlichen Ausrichtungen wurden die Eine-Welt-Schule in der Mindener Altstadt und die Montessori Grundschule in Haldem besichtigt. Die Kita- und Schulleiterinnen aus Estland waren von der Zusammensetzung der Schulklassen und der entsprechenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler begeistert. Auch von den Arbeitsmaterialien und von dem Engagement der Lehrkräfte waren sie beeindruckt.  Die Organisatorin der Reise Signe Vaabel sagte: „Der herzliche Empfang in den Schulen wird uns immer in guter Erinnerung bleiben, die Lehrkräfte haben sich sehr viel Mühe gegeben, uns alles zu zeigen. Wir nehmen viele Ideen und Anregungen mit nach Viljandi“.  Landrat Dr. Ralf Niermann ergänzte: „Wir können so viel voneinander lernen und sollten diese Chancen nutzen. Internationale Partnerschaften erweitern den Horizont und sind gerade in dem Bereich Schulbildung sehr wertvoll.“ 

Natürlich wurde auch über das Thema Digitalisierung umfangreich gesprochen. Estland ist der Vorreiter in diesem Bereich. Es fiel auf, dass Digitalisierung in unseren Kindergärten und Grundschulen noch nicht sehr präsent ist. Lehrerinnen und Lehrer in Estland arbeiten mit digitalen Klassenbüchern. Informationen zu dem Entwicklungsstand, Noten und auch Hausaufgaben sind  mit entsprechenden Zugängen sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für die Eltern einsehbar.

Der Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede machte den Austausch sehr spannend, so dass beide Seiten den Wunsch geäußert haben, weiterhin in Kontakt zu bleiben und noch weiter voneinander zu lernen.   

Foto: Gäste aus Estland im Kreishaus mit Landrat Dr. Ralf Niermann und Kolleginnen aus dem Schul- und Jugendamt

Foto: Mirjana Lenz/Kreis Minden-Lübbecke