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08.11.2019

Intelligente Gebäudetechnik kann zur positiven Nutzung und zum Erhalt eines Gebäudes beitragen

9. Symposium Intelligente Gebäudetechnologien auf dem Campus Minden bringt Ergebnisse und Impulse

In vielen Analysen und Studien zum ländlichen Raum wird der Kreis Minden-Lübbecke mit neutral-positiven Verhältnissen im Bereich Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur bewertet. Das war auf dem 9. InteG-Symposium am Campus Minden mehrmals zu hören. Architekten, Bauingenieure, Planer, Facility Manager, Komponentenhersteller, Handwerker, politisch Verantwortliche, kommunalen Vertreter und Wissenschaftler diskutierten beim Symposiums am Campus Minden über die Möglichkeiten des intelligenten Gebäudes in einem intelligenten ländlichen Raum.

Für die zunehmenden regionalen Unterschiede bedarf es fallbezogener und abgestimmter Lösungen von Bund, Ländern und Kommunen und das in Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Hochschulen und Bevölkerung. Wichtig sei es, dass durch differenzierte regionalökonomische Analysen die ländlichen Standortfaktoren für Unternehmen gestärkt werden und Digitalisierung als Chance gesehen wird. Das Intelligente Gebäude habe darin sicherlich seinen Platz.

In seinem Beitrag erläuterte Dr. Christian Oberst vom IW Köln die Kernergebnisse der Studie „Die Zukunft der Regionen in Deutschland – Zwischen Vielfalt und Gleichwertigkeit“ und ging auf die Notwendigkeit digitaler Infrastruktur ein. Für die Region Ostwestfalen-Lippe lobte er die „Hidden Champions“: hochspezialisierte, meist inhabergeführte Weltmarktführer in Nischenmärkten, die es hier, im Vergleich zu anderen Industrieländern, deutlich mehr gibt. Einzige Auffälligkeit sei die unterdurchschnittliche Ärztedichte im Raum Minden und die zwischen 2011 bis 2017 „nur“ um 1,4% p.a. gestiegen Immobilienpreise in Minden. Letzteres sei für ihn ein Indikator für die fehlende Attraktivität des Wohnungsmarktes.

Thomas Pöhlker (energielenker Beratungs GmbH) stellte die Ergebnisse der Vital.NRW-Studie „Intelligente Gebäude – Intelligente Region Zuhause in der Zukunftsregion“ vor. Pöhlker sieht einen wachsenden Markt im Bereich intelligenter Gebäudetechnik im Kreis Minden-Lübbecke. „Das Interesse an intelligenter Gebäudetechnik ist vorhanden und intelligente Gebäudetechnik kann zur positiven Nutzung und zum Erhalt eines Gebäudes beitragen. Allerdings haben Endnutzer Schwierigkeiten, sich auf dem dynamisch wachsenden Markt zurecht zu finden.“ Es gebe daher Handlungsbedarf in Sachen Digitalkompetenz, um Skepsis gegenüber Intelligenter Gebäude abzubauen. Auch sei laut Studie branchenübergreifende Interaktion von Smart Home Produkten und –Services unterschiedlicher Hersteller notwendig, um das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen.

Prof. Dr.-Ing. Michael Eisfeld der FH Bielefeld plädierte dafür, am Campus Minden Techniken für den ländlichen Raum zu entwickeln, zum Beispiel Smart Home Anwendungen im Bereich der regenerativen Energien oder des intelligenten Wohnens. Roland Willrich von der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld, sprach über Bildungsaspekte für das Smart Home Zeitalter. „Das Handwerk muss die Bedarfe der Kunden erfassen. Auch branchenübergreifendes Fachwissen und Verständnis für Integrale Planung müssen gelernt werden.“

Prof. Dr. oec. Klaus Schafmeister von der Fachhochschule des Mittelstands schloss mit der These ab, dass es kein Erkenntnisproblem gebe, sondern ein Transformationsproblem. Die Voraussetzungen für technologische und soziale Innovationen müssen verbessert und vereinfacht werden, um diese Potenzale jetzt nutzen zu können. „Wir dürfen nicht zu sehr über den ländlichen Raum reden, sondern mit ihm. Wir müssen wissen, welche Grundversorgung notwendig ist, und welche Rahmenbedingungen wo und wie optimal sind“, sagt er weiter.  Schafmeister wies dabei auch auf Themen wie 5G, Dual Use und Gemeingüterentwicklung wie zum Beispiel Wohngenossenschaften hin. „Wir müssen den ländlichen Raum mit seinen Potenzialen sehen und attraktiv darstellen und nicht über Landflucht reden. Wir haben derzeit eine sehr große Chance, denn der ländliche Raum ist in aller Munde.“

Hintergrund

InteG e.V. – Entwicklungszentrum für intelligente Gebäudetechnologien wurde 2012 gegründet und ist eine Initiative der Fachhochschule Bielefeld – Campus Minden, des Kreises Minden-Lübbecke, Energie Impuls OWL, VDI OWL, HWK OWL-Lippe zu Bielefeld, IHK OWL zu Bielefeld, Initiative Wirtschaftsstandort Herford und Techtalk-Vaessen. Damit hat sich am Campus Minden eine Plattform für Forschung und Praxis etabliert, um Ergebnisse für die menschenzentrierten Technologien der digitalisierten Zukunft zu erarbeiten.

Das Symposium Intelligente Gebäudetechnologien, das inzwischen zum 9. Mal stattfand, reiht sich ein in das Projekt „Klimaschutz, Energie und Bauen 4.0“ des integrierten Handlungskonzepts OWL 4.0. und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW gefördert. Weiter wird es unterstützt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und ist Teil der Leistungsschau KlimaExpo.NRW. Mehr Informationen: www.integ-owl.de

Bild 2019-0120_p (Christian Weische): Referenten und Initiatoren des Symposiums