Seiteninhalt
29.11.2019

„Jungs – was geht (noch)?“  – Fachtag Jungen im Kreis Minden-Lübbecke

Jungen sind laut und Jungen sind leise. Jungen sind wortgewandt und Jungen sind schweigsam. Jungen sind wild und Jungen sind sensibel. Diese Gegensätze machen klar: Jungen sind unterschiedlich und sie brauchen Raum für ihre Bedürfnisse um sich zu emotional lebendigen und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten entwickeln zu können.

Vor diesem Hintergrund veranstalteten das Kreisjugendamt und die Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit des Kreises Minden-Lübbecke einen Fachtag mit dem Titel „Jungs –was geht (noch)?“.  Im Hörsaal der Akademie für Gesundheitsberufe begrüßte Andreas Schädler, Leiter des Kreisjugendamtes, die kommunalen Fachkräfte aus Jugendförderung, Jugendpflege, Schulsozialarbeit und Beratungsstellen sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. „Wir haben hier heute die geballte Fachkraft vor Ort. Gemeinsam wollen wir einen professionellen Blick auf das Thema Jungenarbeit werfen, um eine Standortbestimmung vorzunehmen.

Wie finden wir heraus was Jungen brauchen? Was sind die konkreten Bedarfe, die für sie im Vordergrund stehen? Gemeinsam wollen wir einen Blick darauf werfen, welche Ressourcen im Kreis vorhanden sind und inwiefern weitere Strukturen geschaffen werden könnten.“, so Schädler.

Fachlichen Input erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch den Diplompädagogen und Jungenbildungsreferent (mannigfaltig e.V. – Institut für Jungen- und Männerarbeit Hannover), Olaf Jantz. Dieser beleuchtete die Entwicklung der Jungenarbeit unter dem Titel „Kleine Helden immer noch in Not?“. Jantz verdeutlichte, was Jungen benötigen und stellte einen konkreten Leitfaden zur Durchführung, Planung und Bewertung von Aktionen vor. Weiterhin machte er deutlich, dass es darum gehe die eigene Haltung und Wahrnehmung zu schulen und eine jungenbezogene Fachlichkeit weiterzuentwickeln. Eine Schlüsselrolle spiele hier die Beobachtung und die bewusste Wahrnehmung der Verschiedenheit von Jungen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung erhielten die Fachkräfte in Form eines „World Cafés“ die Möglichkeit zu einem interdisziplinären Erfahrungsaustausch. An vier moderierten Thementischen ging es um die Themenschwerpunkte Gesundheit, Kriminalität, erlebte Gewalt, Schule und Bildung. Die Gäste tauschten sich zu einzelnen provokanten Hypothesen aus. Beispielsweise: Verheiratete Männer leben länger und Männer sind seltener depressiv. Im ersten Schritt hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, eigene Sichtweisen und Wahrnehmungen kontrovers zu diskutieren und zu überprüfen, ob dies auch wirklich so sei. Im nächsten Arbeitsschritt wurden dann gemeinsam Impulse und Ideen für die weitere Jungenarbeit im Kreisgebiet entwickelt. Dazu gehörte beispielsweise der Wunsch nach mehr Vernetzung der Professionen untereinander und die Möglichkeit, individuelle Interessen und Stärken in den einzelnen Bereichen von Jungen mehr fördern zu können. Es brauche weitere fachpädagogische Unterstützung von Fachkräften, so der gemeinsame Tenor.

Die Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit hat sich in der Vergangenheit intensiv mit der Situation von Jungen im Kreisgebiet auseinandergesetzt. Wie kann eine angemessene Unterstützung für und mit Jungen gelingen? Was gilt es zu berücksichtigen? Welche Angebote können Jungen annehmen? Und welche sind zum Scheitern verurteilt? -  lauten Fragen, mit denen sie sich beschäftigt. Der Zusammenschluss von Fachkräften hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Situation der rund 16.500 Jungen im Kreisjugendamtsbezirk zu analysieren und daraus Thesen für die zukünftige Jungenarbeit abzuleiten.  Es geht darum, Jungen wahr- und ernst zu nehmen und mit ihnen Partizipation zu leben und Jungen in ihren Bedürfnissen zu unterstützen.Die Arbeitsgemeinschaft möchte Bewegung in die Jungenarbeit bringen und konkrete Schritte und Maßnahmen für die Zukunft entwickeln.

Foto: Sarah Golcher / Kreis Minden-Lübbecke

Foto: Olaf Jantz (Mannigfaltig e.V. – Institut für Jungen- und Männerarbeit Hannover), Dörte Heger (Jugendamt Kreis Minden-Lübbecke), Michael Drogand-Strud (Mannigfaltig Minden-Lübbecke e.V.)