• Mobbing & Cybermobbing

    Cybermobbing

    Antworten auf häufig gestellte Fragen


    1. Cybermobbing - was ist das überhaupt?

    Definition nach Katzer & Fichtenhauer (2007): „Cybermobbing bezeichnet die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, um absichtlich und wiederholt schwächere Individuen oder Gruppen von Individuen zu diffamieren oder zu schikanieren.“ Die entscheidenden Kriterien für ein tatsächliches Cybermobbing sind also (1) die schädigende Absicht, (2) die Wiederholung und (3) das Kräfteungleichgewicht zwischen Täter und Opfer.

    Anwendung finden dabei nahezu alle Formen moderner sozialer Medien. Die häufigsten Arten von Übergriffen sind die „Verunglimpfung“ (also die Verbreitung von Gerüchten und Lügen per WhatsApp, Facebook und Co.) sowie die „Schikane“ (direkte Beleidigung oder Bedrohung per SMS oder soziale Medien). Weitere, aber seltenere Formen sind: „Betrug“ (Identitätsmissbrauch durch das Anlegen von Fake-Accounts o.ä.), „Verrat“ (Verbreiten von privaten Geheimnissen) oder „Ausgrenzung“ (in Chats, Foren oder bei Computer- bzw. Online-Spielen werden Betroffene aus der Gruppe ausgeschlossen).

    Das Schlimme beim Cybermobbing ist, dass betroffene Schülerinnen und Schüler – anders als beim traditionellen Mobbing in der Schule – auch zuhause keinen Schutz finden. Sie können überall und rund um die Uhr belästigt und gedemütigt werden. Außerdem finden die Demütigungen und Schikanen in einer viel größeren, nämlich der digitalen Öffentlichkeit statt. Und: „Das Internet vergisst nichts“. Diffamierende Bilder oder Kommentare lassen sich nicht mehr sicher löschen und können ggf. noch nach Jahren im Internet verfügbar sein.


    2. Wie oft passiert Cybermobbing?

    Cybermobbing findet statt! Die in Studien berichteten Zahlen zur Häufigkeit in Deutschland variieren allerdings in Abhängigkeit davon, was gefragt wird. Man kann davon ausgehen, dass etwa ein Drittel der Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 20 Jahren bereits negative Erfahrungen mit Anfeindungen oder Übergriffen im Cyberspace gemacht hat (Beleidigungen oder Schikane per Internet oder Handy; Verbreitung von Lügen und Gerüchten; Ausgrenzung durch Ausschluss aus Chatgruppen oder Foren; Identitätsmissbrauch o.ä.). Für Cybermobbing im engeren Sinne (also wiederholte Übergriffe mit schädigender Absicht) liegen die berichteten Opferzahlen bei 5-10%.

    Konkrete Zahlen oder Statistiken aus dem Mühlenkreis liegen uns nicht vor. Wir als „Regionale Schulberatungsstelle für den Kreis Minden-Lübbecke“ stellen aber fest: Wenn sich Schüler*innen bzw. deren Eltern heute wegen Mobbings in der Schule zur Beratung an uns wenden, haben die betroffenen Kinder und Jugendlichen fast immer auch Beleidigungen oder Ausgrenzung per Smartphone erlebt (Facebook, WhatsApp etc.). Beratung bei Mobbing hat 2017 immerhin gut 12% der Anfragen in unserer Beratungsstelle ausgemacht.


    3. Was weiß man über das Phänomen Cybermobbing? Wer sind die Opfer, wer die Täter?

    Cybermobbing als Phänomen taucht auf, sobald soziale Medien bzw. die für den Zugang notwendigen internetfähigen Endgeräte (Smartphone, Tablet, PC oder Notebook) verfügbar sind. Bereits im Grundschulbereich sind Fälle von Cybermobbing zu verzeichnen. Studien zeigen allerdings, dass die Häufigkeit mit dem Alter steigt; einige Befragungen lassen einen „Höhepunkt“ in der 8. und 9. Klasse vermuten. Außerdem gibt es Hinweise, dass Cybermobbing im Gymnasium vergleichsweise etwas seltener (aber auch!) stattfindet als unter Schüler*innen von Haupt- oder Gesamtschulen.

    Schon vom "herkömmlichen" Mobbing wissen wir: Opfer kann jeder werden! Allerdings scheint das Risiko, Opfer von Cybermobbing zu werden, noch höher als beim traditionellen Mobbing. Denn: Die Anonymität des Internets senkt die Hemmschwelle für potenzielle Täter. Aufgrund der physischen Distanz nehmen die Täter zudem das Leid ihrer Opfer meist gar nicht mehr wahr. Dies setzt natürliche Hemmmechanismen außer Kraft, welche die Täter bei einer persönlichen Konfrontation mit dem Opfer und dessen Betroffenheit möglicherweise von einem Übergriff abhalten würden.

    Auslöser für Cybermobbing können beispielsweise Streit oder Ärger im „realen“ Miteinander, Eifersucht oder eine beendete Liebesbeziehung sein. Manchmal ist der Auslöser aber auch ein geschmackloser Scherz oder Langeweile. Andere sehen Cybermobbing längst als Teil der Normalität oder gar als Freizeitspaß.

    Entsprechend unterschiedlich sind die Täter und ihre Motive: Neben den mehr oder weniger gedankenlosen Kindern und Jugendlichen, die zu Tätern werden, gibt es demnach auch solche, die durch das Mobbing bewusst Anerkennung suchen oder sich als „cool“ profilieren möchten. Mitläufer und „Dulder“ dagegen haben eher Angst, selbst zum Opfer zu werden. Und manch ein Cybermobbing-Täter nutzt die Anonymität und Macht des Internets, um sich für selbst erlebtes (Mobbing-)Leid zu rächen (vgl. unten).


    4. Geht Cybermobbing auch mit "realer" Gewalt (z. B. in der Schule) einher?

    Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Cybermobbing und „herkömmlichen“ Mobbing! Umfragen zeigen, dass viele Cybermobbing-Opfer (60-80%) auch im realen Leben Opfer von Mobbing sind. Für die Täter zeigt sich der Zusammenhang eher noch deutlicher.

    Einige Studien weisen außerdem daraufhin, dass viele Cybermobbing-Täter im realen Leben Opfer von Mobbing sind. Es wird vermutet, dass sie die Anonymität des Internets nutzen, um sich für ihr eigenes Leid zu rächen (und durchaus nicht nur an den „eigenen“ Tätern!).


    5. Was macht Cybermobbing mit den betroffenen Schüler*innen? Wie kann man erkennen, dass Kinder und Jugendliche im "Cyberspace" oder in der Realität gemobbt werden?

    Ausgegrenzt zu werden gehört zu den schlimmsten Erfahrungen bzw. Belastungen im Jugendalter. Dies gilt für Cybermobbing ebenso wie für traditionelles Mobbing. Auch wiederholte Bedrohungen oder Beleidigungen sind für die Betroffenen eine große Belastung. Beim Cybermobbing kommt erschwerend hinzu, dass die Opfer zum Teil gar nicht wissen, wer hinter den Übergriffen steckt, was die Angst und Bedrohlichkeit weiter verstärkt.

    Folgen von Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern sind auf zwei Ebenen zu beobachten: (1) Auf schulischer Ebene können Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungseinbrüche die Folge sein, teilweise verbunden mit der Angst, zur Schule zu gehen (bis hin zur völligen Verweigerung des Schulbesuchs). (2) Auf persönlicher / psychischer Ebene zeigen sich Gefühle von Einsamkeit oder Schutzlosigkeit, Traurigkeit bis hin zur Depression – und vor allem Angst. Andere Schüler*innen reagieren eher mit Wut und Aggression. Dauerhafte Stress- und Belastungszustände können zudem eine Reihe von körperlichen Symptomen und Beschwerden nach sich ziehen (wie Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit). In extremen Fällen sind auch Selbstmordgedanken oder -versuche möglich. Von nicht wenigen Fällen, in denen sich Jugendliche tatsächlich das Leben genommen haben, weiß man, dass Mobbingerfahrungen vorausgingen.

    Ein sicheres Erkennungsmerkmal für Cybermobbing sind alle diese Reaktionen allerdings nicht, da auch eine Vielzahl anderer Belastungen im Kindes- und Jugendalter vergleichbare Symptome zur Folge haben. Die sicherste Quelle sind letztlich die Betroffenen selbst – doch genau hier liegt das Problem: Viele Kinder und Jugendliche, die Erfahrungen mit Cybergewalt oder Cybermobbing gemacht haben, reden nicht darüber. Aus Scham oder weil sie keine „Petze“ sein wollen; aus Angst, dass sie von den Tätern bestraft werden; aus Angst, dass Ausgrenzung und Übergriffe noch schlimmer werden; aus Sorge, Eltern könnten den Internetzugang einschränken; oder einfach in dem Glauben, dass dies eben Normalität sei oder zur „Netzkultur“ gehöre. Viele betroffene Schülerinnen und Schüler meinen, es aushalten oder allein bewältigen zu müssen. Außerdem denken sie, dass Lehrkräfte und Eltern nichts gegen das Cybermobbing tun könnten, da sie diese als nicht kompetent wahrnehmen im Umgang mit dem Internet bzw. mit neuen Medien.

    Studien bestätigen dies: In Umfragen berichten 30-50% der betroffenen Kinder und Jugendlichen, dass sie mit niemandem über das erlebte Cybermobbing reden. Wenn überhaupt, dann sind es meist eher gleichaltrige Freundinnen und Freunde, denen sich die Opfer anvertrauen.


    6. Wie kann man den Betroffenen helfen? Was können Eltern und Lehrkräfte tun?

    Was die Betroffenen am dringendsten brauchen, sind aufmerksame und vertrauensvolle Zuhörer: Kinder und Jugendliche brauchen erwachsene Bezugspersonen, denen sie sich anvertrauen können, wenn sie von Cybermobbing betroffen sind. Türöffner für gelingende Gespräche mit den Schülerinnen und Schüler sind:

    • Zuhören und ggf. offen nachfragen (aber kein „Verhör“)
    • Empathie und Einfühlungsvermögen; dazu gehört auch Interesse an der medialen bzw. digitalen Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen
    • Ruhe und Gelassenheit – d.h. keine vorschnellen Lösungsvorschläge oder gar Aktionen ohne Einverständnis der Betroffenen (wie Anzeige bei der Polizei, Anrufe beim Täter oder seinen Eltern etc.)
    • keine Vorwürfe, Anschuldigungen oder gar Strafen gegen die betroffenen Kinder und Jugendlichen („Ich hab doch immer gesagt, Du sollst im Internet vorsichtiger sein!“)

    Tipps für Betroffene:

    • Nicht auf Beleidigungen oder Provokationen reagieren – genau das wollen die Absender!
    • Wenn das Mobben nicht aufhört: Ggf. die eigene Handynummer / E-Mail-Adresse ändern
    • Sofern die Mobber bekannt sind: aus der Kontaktliste löschen oder Kontakt blockieren
    • Ggf. Chatgruppe oder soziales Netzwerk verlassen
    • Beleidigende oder übergriffige Webseiten, Chatverläufe, Nachrichten oder Bilder sichern (speichern / kopieren), damit das Mobbing nachgewiesen und der Absender ermittelt werden kann
    • Wenn nötig: Die Polizei einschalten!

    Das Wichtigste aber ist, dass sich betroffene Schülerinnen und Schüler Unterstützung holen! Bei Eltern oder anderen vertrauten Verwandten; bei Lehrkräften (Klassenlehrer*in, Vertrauens- oder Beratungslehrer*in, „Lieblingslehrer*in“) oder Schulsozialarbeit; oder bei Beratungs- oder sonstigen Anlaufstellen, die vertraulich Rat und Unterstützung bieten. Dazu zählen auch:


    7. Wie wird mit (Cyber-)Mobbern umgegangen?

    Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da die Täter gar nicht immer ausgemacht werden können. Aufgrund der physischen Distanz nehmen die Täter häufig nicht einmal mehr das Leid ihrer Opfer wahr. Dies setzt natürliche Hemmmechanismen außer Kraft, welche die Täter bei einer persönlichen Konfrontation mit dem Opfer und dessen Betroffenheit möglicherweise von einem Übergriff abhalten würden.

    Wenn die Täter jedoch eindeutig identifiziert werden können, ist der Umgang mit ihnen unterschiedlich. Besteht der Verdacht auf strafrechtlich relevante Vergehen und haben die Betroffenen Anzeige
    erstattet, kommt es zu einer polizeilichen Ermittlung und ggf. einem Strafverfahren. Ansonsten obliegt es letztlich den Eltern, auf ihre Kinder erzieherisch einzuwirken. Typisch ist, dass in unserer Beratungsstelle in der Regel die Eltern der Opfer von (Cyber-)Mobbing Hilfe suchen, nicht aber die Eltern der Täter – obwohl Rat und Unterstützung im Umgang mit derartigem Fehlverhalten sicherlich sinnvoll wären.

    Bleiben die Schulen: Hier gibt es z. T. noch unterschiedliche Auffassungen dazu, ob das Thema Cybermobbing überhaupt in den Verantwortungsbereich von Schule gehört. Immer mehr Lehrkräfte und Schulen stellen sich jedoch dem Thema und sind bemüht, Vorfälle von Cybergewalt zwischen Schülern einer Klasse oder Schule auch im schulischen Kontext aufzuarbeiten (zumal wir heute wissen, wie groß der Zusammenhang von Cybermobbing und „klassischem“ Mobbing in der Schule ist). Das bedeutet auch, bei Bekanntwerden der Täter pädagogische Maßnahmen zu ergreifen und auf ein Unterlassen hinzuwirken. Dabei ist jedoch umsichtiges Handeln geboten: Wie bereits beschrieben, sind einige Cybermobber selbst Opfer von Mobbing geworden, und es gilt, trotz deutlicher Botschaft („(Cyber-)Mobbing jetzt stoppen!“) ohne persönliche Abwertung des Täters Lösungen und ggf. angemessene Konsequenzen zu finden.


    8. Was kann präventiv getan werden, um mehr Bewusstsein unter den Schülern zu schaffen und Cybermobbing bereits im Vorfeld zu unterbinden?

    Cybermobbing ist Gewalt. Die Prävention von Cybermobbing sollte deshalb in eine Gesamtstrategie zur Gewaltprävention eingebettet sein. Hier sind vor allem die Schulen gefragt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass Cybermobbing und "herkömmliches" Mobbing in engem Zusammenhang stehen. Effektive Gewaltprävention umfasst:

    • Förderung der Empathiefähigkeit und sozialen Kompetenz von Schülerinnen und Schülern durch entsprechende Lern- und Erfahrungsangebote
    • Schaffung eines sozialen Klimas von Wertschätzung, Achtsamkeit und Respekt
    • Aufbau eines funktionierenden „Beschwerdemanagements“ in der Schule (Schüler*innen brauchen vertrauensvolle erwachsene Ansprechpartner!)
    • Beteiligung von Eltern und Schüler*innen bei der Entwicklung eines Verhaltenskodexes für den realen und digitalen Umgang miteinander

    Die spezifische Prävention von Cybermobbing braucht außerdem:

    • Förderung der Medienkompetenz
    • Information und Aufklärung zum Thema Mobbing und Cybermobbing für Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern und Lehrkräfte!


      


    Quellen (u.a.):

    • Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle Nordrhein-Westfalen e.V. (Hrsg.)(2012). CyberMobbing. Informationen für Eltern und Fachkräfte. Essen: Drei-W-Verlag.
    • www.klicksafe.de
    • Pieschl, S. & Porsch, T. (2014). Cybermobbing unter deutschen Schülerinnen und Schülern: Eine repräsentative Studie zu Prävalenz, Folgen und Risikofaktoren. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, S. 7-22.
  • LRS - Hinweise für Eltern und Lehrkräfte

    Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten können die Entwicklungsverläufe und den Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen nachhaltig negativ beeinträchtigen. Langfristige Misserfolgserlebnisse begünstigen außerdem das Entstehen sogenannter Sekundärsymptomatiken, die u.a. zu Kopf- und Bauchschmerzen, Leistungs- und Schulangst bis hin zu Schulverweigerung führen können. Eine rechtzeitige und langfristige Unterstützung kann das Entstehen ungünstiger Teufelskreise verhindern.

    Im Folgenden haben wir deshalb ausführliche Informationen zum Thema LRS für Sie zusammengestellt.


    Häufige Fragen (FAQ) und Antworten zu Diagnose und Förderung bei Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten in der Schule

    (Grundlage: LRS-Erlass zum Schulgesetz NRW)

    LRS in der Grundschule

    LRS in der Sekundarstufe

  • Rechenschwierigkeiten

    Es gibt Kinder, für die stellen Zahlen und das Rechnenlernen ein Buch mit sieben Siegeln dar. Sie zeigen im Erwerb und in der Anwendung der Mathematik große Schwierigkeiten. Bisher gibt es für dieses Syndrom der Rechenschwierigkeiten keine einheitliche Begriffsdefinition. Synonym werden  Begriffe wie „Rechenschwäche“, „Rechenstörung“ oder „Dyskalkulie“ verwendet. Kinder mit Rechenschwierigkeiten sind auf wohlwollende Unterstützung angewiesen, um trotz zahlreicher Misserfolge Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln zu können. Dieses Vertrauen benötigen sie, um erfolgreich lernen zu können und keine anhaltende Abneigung gegen Zahlen und das Rechnen zu entwickeln.

    Die vorliegende Handreichung wurde mit dem Ziel erstellt, ein Verständnis für Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten im Rechnen zu entwickeln sowie Lehrkräften und Eltern Ansätze für individuelle Fördermöglichkeiten aufzuzeigen. Das Inhaltsverzeichnis bietet Ihnen einen Überblick über die beantworteten Fragen zum Thema und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

    Handreichung: “Information zu Rechenschwierigkeiten für Eltern und Lehrkräfte - Häufig gestellte Fragen (FAQ)“ - Download im .pdf-Format

  • Konzentration - Aufmerksamkeit - AD(H)S

    Probleme im Bereich von Konzentration und Aufmerksamkeit zählen zu den häufigsten Anmeldegründen in der Regionalen Schulberatungsstelle. Deshalb haben wir hier einige Informationen zu diesem Thema für Sie zusammengefasst.

     Was genau bedeutet eigentlich "Konzentration"?

    Konzentration bzw. „sich konzentrieren“ bedeutet, den Fokus der eigenen Aufmerksamkeit willentlich auf eine bestimmte Sache (z. B. den Unterricht oder den Lernstoff) zu lenken und ihn dort zu halten, auch wenn andere Einflüsse ablenkend wirken. Ablenkende Reize müssen ausgeblendet werden. Nicht nur ein Mangel an Fokussierung (= Ablenkbarkeit) kann dabei als Beeinträchtigung der optimalen Konzentrationsleistung verstanden werden. Auch ein übermäßiges, starres Fokussieren kann in verschiedenen (schulischen) Situationen ungünstig sein, weil z. B. Arbeitsanweisungen oder ergänzende Information der Lehrkraft nicht wahrgenommen werden.

     Wie lange können sich Kinder und Jugendliche konzentrieren?

    Die Zeitspanne, über die sich Kinder und Jugendliche optimal konzentrieren können, ist begrenzt: Bei Grundschülern beträgt sie durchschnittlich etwa 15-20 Minuten, bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe etwa 20-30 Minuten. Danach kommt es zu Ermüdungserscheinungen, wie z. B. gedankliches Abschweifen, Ablenkbarkeit, Anstieg der Fehlerhäufigkeit, Leistungsabfall etc., und eine Lern- oder Arbeitspause wird nötig. Allerdings unterscheiden sich einzelne Kinder und Jugendliche in ihrer Konzentrationsfähigkeit deutlich. Die Spannweite reicht von Schülerinnen und Schülern, die schon im Grundschulalter eine vergleichsweise ausdauernde Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung zeigen, bis hin zu solchen, die sich auch in der weiterführenden Schule kaum oder nur kurz auf eine Sache konzentrieren können.

     Ursachen von Konzentrationsproblemen

    Eine mangelnde Konzentrationsfähigkeit kann vielfältige Ursachen haben: Schlafmangel, Überforderung oder Langeweile, visuelle oder auditive Wahrnehmungsdefizite oder eine vorliegende Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS; s. unten). Auch psychische Erkrankungen (wie Depressionen oder Traumafolgestörungen) können Konzentrationsprobleme zur Folge haben.

     Folgen von Konzentrationsproblemen

    Probleme im Bereich von Konzentration und Aufmerksamkeit zählen zu den häufigsten Anmeldegründen in der Regionalen Schulberatungsstelle. Sie haben für die betroffenen Kinder und Jugendlichen eine Reihe von negativen Folgen. Nicht nur, dass Konzentrationsschwierigkeiten unmittelbar zu Frust und Misserfolgen führen (erhöhte Fehlerwahrscheinlichkeit, Ärger mit Lehrkräften und Eltern); sie können zugleich die Ursache für eine Reihe weiterer Schulprobleme sein (generelle Leistungsprobleme oder Teilleistungsschwierigkeiten, aber auch Schul- und Leistungsängste oder Konflikte mit Mitschülern).

     Illustrationsbeispiel "Jetzt reiß dich mal zusammen!" - oder:

    Die verzwickte Sache mit der Konzentration

    "Bleib doch einfach mal bei der Sache!“ oder: "Das ist doch nur eine Frage der Motivation. Du kannst es doch, wenn Du nur willst!“

    Solche oder ähnliche (und schlimmere) Sätze müssen sich Schülerinnen und Schüler mit Konzentrationsproblemen häufig anhören – von ihren Eltern oder Lehrkräften. Und das oft zu Unrecht! Denn: Konzentrationsschwache Kinder können eben nicht (lange) aufmerksam sein oder bei der Sache bleiben, auch wenn sie wollen.

    Stellen Sie sich zwei gleich alte Schüler auf dem Sportplatz vor: Der eine ist Tim, klein, eher schmächtig und unsportlich. Der andere – Tom – groß und athletisch, ein echter Sportler eben. Die Aufgabe ist für beide die gleiche: Ein 1000-Meter-Lauf.

    Beide Schüler werden wohl die 1000 Meter schaffen. Und dennoch wird das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen: Nicht nur, dass der sportliche Tom wahrscheinlich schneller im Ziel sein wird. Man kann sich leicht vorstellen, dass der schwächere Tim – trotz schlechterer Rundenzeit – zudem deutlich mehr außer Atem sein wird, mit hochrotem Kopf und verschwitzt, während Tom noch frisch wirkt und sich vielleicht schon auf die nächste sportliche Disziplin freut.

    Hier ist also leicht zu erkennen: Eine ähnliche Leistung (das Laufen einer Strecke von 1000m) hat von den beiden Schülern eine deutlich unterschiedliche Anstrengung erfordert. Kaum ein Erwachsener würde hier sagen: „Tim! Jetzt mach vernünftig! Du könntest doch, wenn Du nur wolltest!“ Denn wir erkennen: Hier haben wir zwei Schüler mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten vor uns. Wir würden also eher versuchen, Tim mit tröstenden Worten zu begegnen und ihn vielleicht zu mehr Training motivieren, damit er seine sportliche Kondition verbessern kann.

    Mit der Konzentration ist das aber so eine Sache: Anders als bei körperlichen Herausforderungen lässt sich bei „geistiger Arbeit“ die Anstrengung, die einzelne Schülerinnen und Schüler für ihre Ergebnisse aufbringen müssen, nicht so leicht erkennen. Deshalb stehen konzentrationsschwache Kinder und Jugendliche oft unter dem Verdacht, dass sie nur nicht richtig wollen – obwohl sie sich tatsächlich bemüht haben, es aber nicht besser können. Ihr Bemühen bzw. ihre Anstrengung wird einfach verkannt.

    Deshalb ist es wichtig, dass wir Kindern mit Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsschwäche zunächst mit Verständnis begegnen. Nur wenn wir ihren guten Willen und ihre Anstrengung anerkennen, werden die betroffenen Schülerinnen und Schüler auch bereit sein, zusätzliche Zeit und Mühe in eine Verbesserung ihrer Konzentrationsleistung zu investieren, kurz: sich einem entsprechenden „Training“ zu stellen.

     Erste Hilfe bei Konzentrationsproblemen

    Was Kindern und Jugendlichen mit Konzentrationsproblemen beim Lernen hilft:

    • Regelmäßige Pausen, ausreichend Schlaf
    • Ein gut gelüfteter (Klassen-)Raum
    • Eine ruhige, reizarme Arbeitsatmosphäre
    • Angemessene Anforderungen, erreichbare (Teil-)Ziele
    • Viel Struktur und kurzfristige Rückmeldungen
    • Bewegung und Spiel
    • Ein günstiges emotionales Unterrichtsklima
    • Geduldige und verständnisvolle Erwachsene
    • Ein entspannter, kooperativer Umgang miteinander

     

    Wie lassen sich Konzentration und Aufmerksamkeit im Alltag fördern?

    Es lassen sich grundsätzlich drei Wege der Konzentrationsförderung unterscheiden:
    (1) Die Förderung im schulischen und häuslichen Alltag durch Eltern und Lehrkräfte, (2) die Teilnahme an speziellen (psychologischen) Konzentrations- oder Selbstinstruktionstrainings sowie (3) bei Kindern mit AD(H)S zusätzlich die medikamentöse Behandlung.

    Vorweg sei gesagt, dass eine Kombination der drei Methoden i.d.R. die größten Fördererfolge ermöglicht. Die medikamentöse Behandlung ist dabei jedoch Kindern und Jugendlichen mit einer medizinisch diagnostizierten Aufmerksamkeitsstörung vorbehalten und sollte unbedingt eng von einem erfahrenen Arzt (am besten einem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie) begleitet werden. Psychologische Konzentrationstrainings – wie z. B. „Attentioner“ oder das „Marburger Konzentrationstraining“ – werden darüber hinaus längst nicht überall angeboten. Sie haben zudem den Nachteil, dass der Transfer der Trainingserfolge in den Alltag meist ohnehin durch Eltern und Lehrkräfte unterstützt werden muss.

    Wir beschäftigen uns an dieser Stelle deshalb v. a. mit dem ersten Bereich, also der alltäglichen Konzentrationsförderung durch Eltern und Lehrkräfte. Der Weg zum Erfolg ist hier zwar manchmal mühsam und lang; dafür zeigen sich die Trainingserfolge jedoch gleich dort, wo sie nötig sind: Im schulischen oder häuslichen Alltag – also im Unterricht oder bei den Hausaufgaben (je nachdem, wer mit dem betroffenen Kind trainiert).

    In kleinen Schritten selbständiges Arbeiten fördern

    Eine grundsätzliche Idee bei der Konzentrationsförderung im Alltag ist, längere Arbeitsphasen oder größere Aufgabenmengen zunächst in kleinere, für das Kind machbare Portionen aufzuteilen. Der Umfang der "in einer Portion" bzw. in einer Arbeitsphase zu erledigenden Aufgaben muss dabei am Anfang so (klein) gewählt werden, dass er vom Kind erfolgreich selbständig bearbeitet werden kann. Zwischen den einzelnen "Portionen" erhält das Kind kurz (positive) Aufmerksamkeit, wird bestärkt und gelobt und zur nächsten Arbeitsphase ermuntert - bis der gesamte Arbeitsauftrag (= Hausaufgaben; Stillarbeit im Unterricht) erledigt ist (Pausen nicht vergessen!).

    Die Konzentrationsförderung - also das eigentlich Training - besteht dann darin, die gelingenden Phasen selbständigen und konzentrierten Arbeitens in kleinen (!) Schritten immer weiter zu verlängern, bis die Schülerin / der Schüler auch größere Aufträge bzw. längere Arbeitsphasen erfolgreich bewältigen kann.

    Wichtig ist aber, auf jeden Fall klein anzufangen, da die Kinder zunächst v. a. Erfolge brauchen. Sie müssen praktisch erfahren, dass sie das, was von ihnen erwartet wird, auch tatsächlich schaffen können - nur dann werden sie sich auf eine entsprechende Förderung einlassen.

    Die richtige "Portionsgröße" für den ersten Schritt ergibt sich aus der Beobachtung der Kinder. Beispiele:

    Johanna schafft es meist nicht länger als 5 Minuten, konzentriert an einer Sache zu arbeiten. Der erste Schritt für sie sollte also sein, diese 5 Minuten in den nächste Tagen konstant und sicher zu schaffen. Dazu wird z. B. zu Beginn der Hausaufgaben mit ihr überlegt, welche (Teil-)Aufgabe(n) sie in 5 Minuten schaffen kann. Wenn Verständnisfragen geklärt sind, erledigt Johanna diesen ersten Arbeitsauftrag selbständig (und am besten allein!). Sobald sie fertig ist, wird sie gelobt und bestärkt, bevor sie mit der nächsten kleinen Portion in die nächste 5-Minuten-Arbeitsphase startet (usw.).

    Philipp ist im Unterricht oft so unruhig und unkonzentriert, dass es schon ein Erfolg ist, wenn er im Übergang zur Stillarbeit überhaupt mit dem notwendigen Arbeitsmaterial am Tisch sitzt. Sein erster Trainingsschritt für die nächsten Tage ist also: Dem Arbeitsauftrag zuhören und sich mit dem richtigen Material arbeitsbereit an den Tisch setzen. Ist dieses Ziel erreicht, erhält er zwei Punkte auf einer Sammelkarte, bevor die Klassenlehrerin ihm noch eine kleine Hilfestellung für die erste kleine Aufgabenportion gibt.

    Wenn die Ausgangsstufe - also die erste "Portionsgröße" - sicher trainiert ist, kann eine erste kleine Steigerung angegangen werden. D. h. man erhöht z. B. die Zeitspanne, die die Kinder selbständig und konzentriert arbeiten müssen, oder man nimmt einen weiteren Teilschritt hinzu.

    Beispiele:

    Nachdem es Johanna zwei Wochen lang gut gelungen ist, bei den Hausaufgaben jeweils 5 Minuten lang selbständig und konzentriert zu arbeiten, vereinbart die Mutter mit ihr, die Arbeitsphase nun um 2 auf dann 7 Minuten zu verlängern. Die Mutter würdigt dazu zunächst Johannas Anstrengung und Erfolge der letzten zwei Wochen. So gelingt es ihr, Johannas „sportlichen Ehrgeiz“ zu wecken, und künftig das Ziel etwas höher zu stecken. Wann immer es Johanna von nun an gelingt, 7 Minuten konzentriert und selbständig zu arbeiten, wird sie von der Mutter gelobt und bekräftigt.

    Philipp schafft es im Unterricht mittlerweile gut, sich bei einem Arbeitsauftrag an den Tisch zu setzen und die richtigen Materialien bereit zu halten. Die Lehrerin ist stolz auf ihn und lädt ihn ein, nun das nächste „Level“ des Trainings zu versuchen. Wenn er es schafft, nun auch noch selbständig mit den Aufgaben zu beginnen und min. 2 Minuten konzentriert zu arbeiten, erhält er drei Punkte auf seiner Sammelkarte.

    So geht es in den nächsten Wochen weiter. Immer, wenn ein neuer Schritt sicher trainiert ist, kann der nächste gewagt werden. Dabei ist es nicht immer so leicht, die richtige „Dosis“ zu finden. Falls der Trainingsschritt einmal zu groß war, kann man ihn korrigieren. Dies gilt ebenso, wenn nach kurzer Zeit der Eindruck entsteht, dass die Schülerin bzw. der Schüler eigentlich einen größeren Schritt hätte machen können. Wichtig ist, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben; nicht nur Erfolge, sondern auch Anstrengungen zu würdigen; und immer wieder den „sportlichen Ehrgeiz“ der Kinder zu wecken mit dem Ziel, die Motivation für das Training aufrecht zu erhalten.

    Anstrengungen und Erfolge würdigen

    Manchen Kindern reicht es, wenn sie für ihre (Zwischen-)Erfolge gelobt werden. Andere freuen sich vielleicht über einen netten Stempel oder Sticker als Erfolgsrückmeldung. Es wird aber auch Kinder geben, die für ihr Konzentrationsbemühen regelrecht „verstärkt“ werden müssen, damit sie bereit sind, eine entsprechende (Trainings-)Anstrengung zu erbringen. In solchen Fällen ist die Anwendung eines Punkte- oder Verstärkerplans zu empfehlen (sog. Token-System). Hier sammeln die Kinder für ihre (Teil-)Erfolge sog. Token (gemalte oder geklebte Punkte, Smileys, Murmeln o.ä.), die sie anschließend gegen eine attraktive Belohnung eintauschen können.

    Die Arbeit planen: Arbeitsaufträge angemessen portionieren

    Hilfreich ist, den genauen Auftrag / die genaue Aufgabe für jede (Arbeits-)Phase klar zur beschreiben. Dies sollte bei jüngeren oder konzentrationsschwächeren Kindern eher von Arbeitsphase zu Arbeitsphase einzeln geschehen. Wenn man die Kinder hier bei der Planung beteiligt, lernen sie nicht nur, ihre Aufgaben zu strukturieren und zu planen, sondern sie trainieren zugleich eine realistische Selbsteinschätzung („Wie lang brauche ich wofür?“). Mit älteren oder schon selbständigeren Kindern kann man die Arbeitsplanung auch einmal am Anfang für alle Arbeitsphasen erledigen und z. B. die verschiedenen „Aufgabenpakete“ für die Hausaufgaben oder für die Stillarbeit in einer Schulstunde im Voraus planen.

  • Schulverweigerung

    Wenn Kinder oder Jugendliche - trotz Schulpflicht - in der Schule fehlen, spricht man von "Schulabsentismus" oder "Schulvermeidung". Schulabsentismus stellt, neben der Verletzung der Schulpflicht, eine hohe Gefährdung für die psychische Gesundheit sowie für die gesellschaftliche und ökonomische Zukunft der betroffenen Schüler*innen dar. Vorbeugung und zeitnahes Handeln durch Schule und Elternhaus sind deshalb von besonderer Wichtigkeit.

    Man unterscheidet im Wesentlichen folgende Formen schulvermeidenden Verhaltens:

    1. Schwänzen: Absichtsvolles Fehlen in der Schule ohne Wissen der Eltern. Diese Form des Fehlens kann unter Umständen Vorläufer für eine weitere delinquente Entwicklung sein.
    2. Schulangst: Diverse Ängste können Schüler und Schülerinnen davon abhalten, die Schule zu besuchen: Angst vor Leistungsanforderungen, Prüfungssituationen, Bewertung durch Mitschüler*innen und/oder Lehrkräfte; Überforderung oder negative Schulerfahrungen (z. B. Mobbing). Häufig wissen die Eltern von dieser Form des Schulabsentismus.
    3. Schulphobie: Angst, sich von Bezugspersonen zu trennen, häufig einhergehend mit somatischen Beschwerden wie Bauchweh oder Übelkeit. Auch hier wissen die Eltern meist Bescheid oder unterstützen das vermeidende Verhalten gar - wenngleich gut gemeint - durch das Ausstellen einer Krankschreibung.
    4. Zurückhalten/fremdgesteuertes Fernbleiben: In diesem Fall spielen die Erziehungsberechtigten die Hauptrolle für das schulische Fernbleiben. Dabei dulden oder unterstützen sie die Schulverweigerung, weil sie z. B. das deutsche Schulsystem bewusst ablehnen oder aber die eigenen Kinder für unterstützende Tätigkeiten im Haushalt einsetzen.

    Unabhängig von der Ursache für das Fernbleiben ist es wichtig, gemeinsam mit Erziehungsberechtigten, Schule und ggf. weiteren Beteiligten ein Konzept zu erarbeiten, das es ermöglicht, den Schüler/die Schülerin zu einem regelmäßigen Schulbesuch zurückzuführen. Mit dem Ziel, dies zu unterstützen, stellen wir hier verschiedene Informationen rund um das Thema "Schulabsentismus" bereit.

    Was tun bei Schulvermeidung? - Zuhause bleiben geht nicht! Anregungen für Eltern aus der Beratungsstelle für Schul- und Familienfragen

  • Hausaufgaben - Tipps für Eltern

    Fragt man Eltern nach der Hausaufgabensituation, sind frustriertes Seufzen, stilles Kopfschütteln oder der Ausruf „Eine Katastrophe!“ keine Seltenheit! Hausaufgaben sind das markanteste Bindeglied zwischen Schule und Zuhause. Was in der Schule schon Schwierigkeiten gemacht hat, lässt die Kinder Zuhause nicht gerade in Jubelschreie ausbrechen. Aber wie soll man mit Kindern umgehen, die die Erledigung der Hausaufgaben immer wieder nach hinten schieben, häufig nach Mama oder Papa rufen, ewig an den Hausaufgaben sitzen, anfangen zu weinen, Wutausbrüche bekommen oder mit dem Satz „Ich bin zu dumm dafür!“ aufgeben?

    Wir haben hier einige Tipps zum Thema Hausaufgaben für Eltern zusammengestellt:

     Zeitrichtlinien

    Klasse 1 und 2: ca. 30 min

    Klasse 3 und 4: ca. 40 min

    Klasse 5 und 6: ca. 90 min

    Klasse 7 bis 10: ca. 120 min

     Hausaufgabenzeit

    • Ermöglichen Sie eine Erholungspause nach der Schule (ca. 30min).
    • Legen Sie gemeinsam eine Anfangszeit für die Hausaufgaben fest.
    • Stimmen Sie die Hausaufgabenzeit mit Freizeitaktivitäten ab.
    • Planen Sie kurze Pausen ein (z. B. zum Trinken, Ausstrecken, aber nicht zum Spielen!).


     Arbeitsplatz

    • Richten Sie den Schreibtisch im Kinderzimmer, wenn möglich, zur Wand hin aus.
    • Befreien Sie den Schreibtisch von Spielsachen und statten ihn gemeinsam nur mit den nötigen Dingen für die Hausaufgabenerledigung aus.
    • Sorgen Sie für gute Beleuchtung (bei Rechtshändern von links, bei Linkshändern von rechts).
    • Schaffen Sie genügend Platz zum Verstauen von Arbeitsmaterial sortiert nach Fächern.
    • Stellen Sie einen verstellbaren / körpergerechten Stuhl zur Verfügung.
    • Achten Sie auf eine entspannte und ruhige Arbeitsatmosphäre.
    • Bleiben Sie als Ansprechperson in der Nähe.

     

    Hausaufgaben begleiten

    • Erstellen Sie einen Hausaufgabenplan. Dieser sieht aus wie ein normaler Stundenplan, hat aber für jedes Fach etwas Platz, wo eingetragen werden kann bis wann welche Hausaufgabe zu erledigen ist (nicht wann sie aufgegeben wurde).
    • Tragen Sie täglich gemeinsam die aufgegebenen Hausaufgaben in den Hausaufgabenplan ein (für diese und die nächste Woche).
    • Sprechen Sie ab, welche Hausaufgaben alleine erledigt werden können, bei welchen noch Hilfe benötigt werden könnte und welche gemeinsam gemacht werden sollten.
    • Legen Sie gemeinsam die Reihenfolge der Hausaufgaben fest (schwere Hausaufgaben zuerst machen und sich mit leichteren Hausaufgaben „belohnen“).
    • Bilden Sie überschaubare und zu bewältigende Aufgabenpakete (dazwischen Pause möglich).
    • Wenn Sie gerufen werden, helfen Sie durch gezieltes Fragen, aber lösen Sie die Aufgaben nicht selbst.
    • Leiten Sie zum Anwenden von Lernstrategien an (Was muss ich tun? Was mache ich als erstes? Was brauche ich dafür?).
    • Loben Sie bereits erfolgreich erledigte Aufgaben.
    • Wenn Sie Fehler entdecken, fragen Sie neugierig nach (z.B. „Wie bist du auf dieses Ergebnis gekommen?“).
    • Überprüfen/Korrigieren Sie die Hausaufgaben, aber lassen Sie sie nicht komplett neu machen (die Lehrkräfte sollten wissen, an welcher Stelle es Schwierigkeiten gab).
    • Haken Sie die erledigten Hausaufgaben gemeinsam ab, um Erfolgserlebnisse zu schaffen (Punkte kleben, ausmalen, etc.).
    • Verwenden Sie den Hausaufgabenplan im Anschluss als Hilfe für das Ranzenpacken.


    Trödeln

    Wenn Ihr Kind zum Trödeln neigt, um Zeit mit Ihnen zu verbringen, schlagen Sie eine gemeinsame Zeit von zwei Stunden vor, in der die Hausaufgaben erledigt werden müssen. Die restliche Zeit wird zum gemeinsamen Spielen genutzt. Je schneller die Hausaufgaben erledigt sind, desto mehr Zeit bleibt zum Spielen. (Wichtig ist, dass dann auch bis zum Ablauf dieser zwei Stunden gespielt wird.)

    Sie können auch Zeitwetten abschließen: Gucken Sie sich die Aufgaben an und wetten Sie sehr großzügig, wie lange Ihr Kind dafür brauchen wird. Ihr Kind versucht die Zeit zu unterbieten und erhält bei Erfolg auch den vereinbarten Wetteinsatz.

     Gewöhnen Sie sich gemeinsam an dieses gleichbleibende Vorgehen und versuchen Sie Ihr Kind Schritt für Schritt an ein selbstständiges Arbeiten heranzuführen, indem Sie die enge Begleitung nach und nach reduzieren.