Die Unterbringung in einer Pflegefamilie ist ein bedeutsames Angebot der Kinder- und Jugendhilfe. Das Aufwachsen in einer Pflegefamilie eröffnet wertvolle Chancen für eine gelingende Entwicklung.
Pflegekinderdienst
Formen der Pflege
Kinder und Jugendliche benötigen aus unterschiedlichen Gründen zeitweise oder dauerhaft einen sicheren und verlässlichen Lebensort. Je nach Situation und individuellem Bedarf gibt es verschiedene Formen der Pflege.
Ein Pflegeverhältnis kann von Anfang an für einen bestimmten Zeitraum vorgesehen sein oder auf Dauer angelegt werden.
Fremdpflege
Bei der Fremdpflege nehmen Sie ein Kind in Ihre Familie auf, das Ihnen bisher nicht bekannt ist. Sie übernehmen Verantwortung für seine Versorgung und Erziehung und begleiten das Kind in seinem Alltag und seiner Entwicklung.
Netzwerkpflege und Verwandtenpflege
Bei der Netzwerk- und Verwandtenpflege lebt ein Kind bei Verwandten oder bei einer Pflegeperson, zu der bereits eine persönliche Beziehung oder Bekanntschaft besteht.
Eine solche vertraute Beziehung kann für das Kind eine wichtige Grundlage sein, um die neue Lebenssituation zu bewältigen.
Bereitschaftspflege
Bereitschaftspflege ist ein Angebot für Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren, die sich gemeinsam mit ihren Eltern in einer akuten Krisensituation befinden.
Eine solche Situation kann beispielsweise entstehen, wenn Eltern vorübergehend oder akut nicht in der Lage sind, ihr Kind ausreichend zu versorgen und zu schützen. Die Unterbringung in einer Bereitschaftspflegefamilie bietet dem Kind zunächst einen sicheren und verlässlichen Ort.
Während dieser Zeit wird gemeinsam mit den beteiligten Fachkräften geklärt, welche Perspektive für das Kind entwickelt werden kann. Dabei wird zunächst geprüft, ob eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie möglich ist und welche Unterstützung die Familie dafür benötigt. Wenn eine Rückkehr nicht möglich ist, werden weitere Perspektiven für das Kind entwickelt.
Bereitschaftspflege bedeutet, ein Kind kurzfristig aufzunehmen und ihm auch in einer unsicheren Lebenssituation Sicherheit, Schutz und verlässliche Betreuung zu geben.
Der Weg zur Pflegeperson
Das Bewerberverfahren
Sie interessieren sich dafür, ein Pflegekind aufzunehmen? In einem persönlichen Erstinformationsgespräch erfahren Sie alles Wissenswerte über die Aufnahme eines Pflegekindes und den Ablauf des Bewerberverfahrens.
Das Gespräch gibt Ihnen die Möglichkeit,
- sich umfassend über die Pflegekinderhilfe zu informieren,
- offene Fragen zu klären,
- Ihre persönlichen Vorstellungen und Erwartungen zu besprechen und
- gemeinsam herauszufinden, ob die Aufnahme eines Pflegekindes zu Ihrer persönlichen und familiären Lebenssituation passt.
Das Bewerberverfahren umfasst mehrere persönliche Gespräche sowie ein Wochenendseminar. Dabei lernen wir Ihre Motivation, Ihre persönlichen und familiären Voraussetzungen und Ihre Vorstellungen von der Aufnahme eines Pflegekindes kennen.
Gleichzeitig erhalten Sie wichtige Einblicke in die Lebenssituation und besonderen Bedürfnisse von Pflegekindern sowie in die Aufgaben und Herausforderungen, die mit der Aufnahme eines Pflegekindes verbunden sein können.
Wer kann Pflegeperson werden?
Grundsätzlich können Erwachsene ein Pflegekind aufnehmen. Die Aufnahme eines Pflegekindes ist unabhängig von Nationalität, Konfession, Familienstand und Geschlecht.
Pflegekinder brauchen Menschen, bei denen sie Geborgenheit, Sicherheit und Wertschätzung erfahren. Dafür sind Zeit, Toleranz und Geduld ebenso wichtig wie Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit und die Bereitschaft, sich auf besondere Herausforderungen einzulassen.
Als Pflegeperson sollten Sie bereit sein,
- dem Kind Sicherheit und verlässliche Beziehungen zu bieten,
- sich auf seine individuellen Bedürfnisse einzulassen,
- die Herkunftsfamilie des Kindes anzuerkennen,
- Kontakte zwischen dem Kind und seinen Eltern zu unterstützen und
- vertrauensvoll mit den Fachkräften zusammenzuarbeiten.
Die Beziehung zur Herkunftsfamilie ist ein wichtiger Bestandteil der Lebensgeschichte eines Pflegekindes.
Wenn Sie in einer Partnerschaft oder Familie leben, sollten alle im Haushalt lebenden Personen mit der Aufnahme eines Pflegekindes einverstanden sein. Ihre persönlichen und finanziellen Lebensverhältnisse sollten grundsätzlich stabil sein.
Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen sind hilfreich, aber nicht in jedem Fall Voraussetzung. Je nach Pflegeform gelten unterschiedliche Anforderungen und Voraussetzungen.
Im Rahmen der Eignungsfeststellung sprechen wir gemeinsam über Ihre persönlichen Voraussetzungen, Erwartungen und Fragen. Dabei klären wir auch, welche Form der Pflege zu Ihnen und Ihrer Lebenssituation passen könnte.
Wir bereiten Sie auf Ihre Aufgabe als Pflegeperson vor und begleiten und unterstützen Sie während des gesamten Pflegeverhältnisses fachlich.
Begleitung und Beratung von Pflegefamilien
Pflegefamilien übernehmen eine verantwortungsvolle und anspruchsvolle Aufgabe. Eine verlässliche Begleitung und individuelle Beratung sind deshalb wichtige Bestandteile der Pflegekinderhilfe.
Der Hilfebedarf wird regelmäßig gemeinsam mit allen Beteiligten überprüft. Die Unterstützung wird dabei entsprechend der Entwicklung und der aktuellen Situation angepasst. Grundlage hierfür ist die Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII.
In der Regel finden zweimal jährlich Hilfeplangespräche statt. Dabei werden die bisherigen Entwicklungen gemeinsam betrachtet, die Ziele der Hilfe abgestimmt und die weiteren Schritte verbindlich vereinbart und dokumentiert.
Darüber hinaus begleitet und berät der Pflegekinderdienst die Pflegefamilien kontinuierlich. Regelmäßige Hausbesuche bieten Raum für persönliche Gespräche, fachliche Beratung und die gemeinsame Reflexion des Pflegeverhältnisses.
So können aktuelle Fragen und Herausforderungen frühzeitig aufgegriffen und gemeinsam passende Lösungen entwickelt werden.
Auch in herausfordernden oder krisenhaften Situationen steht der Pflegekinderdienst unterstützend zur Seite. Bei Bedarf können zusätzliche, individuell abgestimmte Hilfen eingesetzt werden, um die Pflegefamilie zu entlasten und das Pflegeverhältnis nachhaltig zu stärken.
Pflegegeld und finanzielle Unterstützung
Wenn eine Hilfe zur Erziehung in einer Pflegefamilie nach § 27 in Verbindung mit § 33 SGB VIII bewilligt wurde, erhalten Pflegepersonen Pflegegeld. Damit werden sowohl der Unterhalt des Kindes als auch der mit der Pflege verbundene Aufwand berücksichtigt.
Die Höhe der Leistungen richtet sich unter anderem nach
- dem Alter des Kindes,
- dem Wohnort der Pflegefamilie,
- dem individuellen Bedarf des Kindes und
- der jeweiligen Pflegeform.
Das Pflegegeld ist grundsätzlich steuerfrei und wird unabhängig vom Einkommen der Pflegeeltern gewährt.
Über weitere finanzielle Leistungen und Möglichkeiten – beispielsweise Kindergeld, Altersvorsorge sowie Zuschüsse zur Renten- und Unfallversicherung – beraten Sie unsere Fachkräfte individuell.
Die Herkunftsfamilie
Pflegekinder kommen aus unterschiedlichen familiären und sozialen Lebenssituationen. Die Gründe dafür, dass ein Kind vorübergehend oder dauerhaft nicht bei seinen Eltern leben kann, sind vielfältig.
Manche Eltern sind selbst mit belastenden Erfahrungen aufgewachsen oder befinden sich aufgrund persönlicher, gesundheitlicher oder sozialer Schwierigkeiten in einer schwierigen Lebenssituation. Dazu können beispielsweise psychische Belastungen, Abhängigkeitserkrankungen, eigene Gewalterfahrungen, Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung oder fehlende soziale Unterstützung gehören. Auch sehr junge Eltern können mit den Anforderungen des Elternseins überfordert sein.
Die Geburt eines Kindes und zusätzliche Belastungen können dazu führen, dass Eltern zeitweise nicht ausreichend in der Lage sind, für ihr Kind zu sorgen. In solchen Situationen kann die Unterbringung in einer Pflegefamilie eine notwendige Unterstützung und einen Schutz für das Kind darstellen.
Für Eltern ist die Trennung von ihrem Kind häufig mit starken und schmerzhaften Gefühlen verbunden. Auch wenn ein Kind in einer Pflegefamilie lebt, bleiben seine Eltern wichtige Bezugspersonen und Teil seiner Lebensgeschichte.
Pflegepersonen leisten deshalb einen wichtigen Beitrag, wenn sie der Herkunftsfamilie mit Respekt begegnen und – soweit es für das Kind gut und möglich ist – die Beziehung zwischen dem Kind und seinen Eltern unterstützen.
Die Kinder und Jugendlichen
Säuglinge, Kinder und Jugendliche, die in eine Pflegefamilie vermittelt werden, bringen unterschiedliche Lebensgeschichten und Erfahrungen mit. Viele von ihnen haben bereits während der Schwangerschaft oder in ihrer frühen Kindheit belastende Erfahrungen gemacht. Diese können ihre Entwicklung und ihr Verhalten beeinflussen und besondere Anforderungen an sie und ihr Umfeld stellen.
Manche Kinder haben aufgrund ihrer bisherigen Lebensbedingungen eigene Strategien entwickelt, mit schwierigen Situationen umzugehen. Im Alltag einer Pflegefamilie können diese Verhaltensweisen zunächst ungewohnt oder schwer verständlich wirken.
Pflegekinder brauchen deshalb vor allem verlässliche Beziehungen, Sicherheit, einen strukturierten Alltag und Menschen, die ihnen mit Geduld, Verständnis und Wertschätzung begegnen.
Gleichzeitig benötigen sie Pflegepersonen, die bereit sind, sich auf ihre individuellen Bedürfnisse einzulassen und gemeinsam mit ihnen neue Erfahrungen zu machen.
Dabei muss nicht immer alles sofort gelingen. Pflegeeltern werden durch die Fachkräfte des Pflegekinderdienstes begleitet und erhalten Unterstützung bei den Herausforderungen, die ein Pflegeverhältnis mit sich bringen kann.